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Von Rom aus hielt man immer ein Auge auf die Bevölkerung, die durch das nestorianische Schisma[1] sich von Rom getrennt hatte.

Während langer Zeit war die Vereinigung schier unmöglich. Wenn man eine solche bewerkstelligen wollte, war man wegen der hierarchischen Organisation dieser Völker in Rom an einen bestimmten Plan gebunden; man mußte zunächst einige Bruchstücke dieses Volkes zu gewinnen suchen, um auf diesem Wege zu den Häuptlingen desselben zu gelangen; dann mußte man diese zu vereinigen suchen, um so auf die Masse des Volkes einen Eindruck machen zu können.

Die Sorge, die Häuptlinge zu gewinnen, war es, die Rom veranlaßte, seine Thätigkeit in dem Becken des Tigris und des Zab, wo die Dominikaner schon länger als ein Jahrhundert wirkten, zu konzentrieren, Deshalb blieben auch die persischen Chaldäer für eine Zeitlang außerhalb der direkten Thätigkeit der Mission von Mosul; gewisse indirekte Anregungen kamen ihnen doch auch noch durch die Mission zu gute, wie die Rückkehr der Einwohner von Khosrawa zur katholischen Kirche gezeigt hat.

Und gerade diese Isolierung war es, die der American board of Commissioners for foreign missions[2] veranlaßten, eine presbyterianische Mission in Urmia zu gründen. Die ersten Missionare ließen sich daselbst im Jahre 1835 nieder.

Ungefähr in derselben Zeit kam ein Katholik dazu, der damals noch Laie war, Herr Boré, bei der Gelegenheit, als er im Auftrage der französischen Regierung eine wissenschaftliche Reise dorthin unternahm, aus eigenem Antriebe in mehreren Städten Persiens Privatschulen zu gründen.

Die Gründung der protestantischen Mission war für die Katholiken eine bedenkliche Thatsache. Schon in Hinsicht auf den Glauben konnten sie nicht mit Vergnügen zusehen, wie sich neben ihnen Missionare niederließen, die in ihrem Christentum immer mehr zu einer dogmatischen Anarchie neigten.

Auch hinsichtlich der bereits gewonnenen Stellung und der bereits durch die Thätigkeit der Missionare erschienenen Früchte bedeutete die Gründung dieser genannten Mission für die Katholiken eine Gefahr. Mit Rücksicht auf die eigentümliche Lebensweise der Nestorianer konnten die neuen Missionare nicht auf einen Bruchteil der Nation einwirken, ohne sich an die ganze Nation zu wenden, und ihre Thätigkeit selbst, wenn sie auch nicht von feindseligen Gesinnungen gegen die Katholiken getragen war, konnte nur diesen empfindlich schaden.

Es war deshalb unerläßlich, in Persien eine Mission zu gründen selbst auf die Gefahr hin, die Mission in Mesopotamien ihrem Schicksal überlassen zu müssen und die Existenz der katholischen Gemeinde in Salmas und einiger kleinerer Niederlassungen von Katholiken in der Umgegend von Urmia in Frage zu stellen.

  1. Bekanntlich drehte sich die Grundlehre des Nestorius um das Geheimnis der Menschwerdung; er lehrte, in Christo seien zwei Personen, leugnete also die hypostatische Union der menschlichen Natur mit der göttlichen zu einer göttlichen Person. Nach seiner Lehre sei Christus nur Mensch, in dem der Sohn Gottes seine Wohnung[WS 1] aufgeschlagen hat. Nach dieser Irrlehre dürfte man also nicht mehr sagen, daß Gott für uns gestorben sei, daß Maria die Mutter Gottes sei etc. Diese Irrlehre wurde auf dem Konzil zu Ephefus 431 verworfen.
  2. Gesellschaft für fremde Missionen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Wohnnng
Empfohlene Zitierweise:

Paul Müller-Simonis: Vom Kaukasus zum Persischen Meerbusen. Verlag von Franz Kirchheim, Mainz 1897, Seite 104. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vom_Kaukasus_zum_Persischen_Meerbusen.pdf/126&oldid=3124530 (Version vom 17.5.2018)