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beweisen die Vortreflichkeit einer Anstalt, die für Liebau höchst wohlthätig ist, und das Andenken jener redlichen Stifter jedem Menschenfreunde werth machen muß. Das Waisenhaus, über welchem eine Figur angebracht ist, die, wie ich vermuthe, die Erziehung vorstellen soll, und in der einen Hand eine Palme, in der andern aber einen Ring hält, den einige für eine Bretzel ausgeben wollen, trägt folgende Inschrift:

„Vater und Mutter verließen mich, aber der Herr nimmt mich auf.“

Die hiesige Armenanstalt verdankt ihre Einrichtung dem verstorbenen Pastor Grund und den milden Beyträgen der Bürgerschaft, welche so reichlich ausgefallen sind, daß ihr ein jährliches Einkommen von 10000 Gulden gesichert wurde. Der Zweck dieser Anstalt war, die Straßenbetteley zu vermindern. Indessen wollten die Handwerker den Armen ihres Standes einen besondern Vorzug eingeräumt wissen und sie nicht der strengen Ordnung, welche dabey eingeführt war, unterworfen sehen. Sie trennten sich daher von der Kaufmannschaft und haben jezt eine

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/102&oldid=- (Version vom 12.3.2019)