Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/145

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

am untersten Absatze der Schanze eine Kegelbahn zum Kontrast, wo statt der vormaligen Kugeln aus mörderischen Kartaunen, leichtere von Holz aus spielenden Händen fliegen. Doch wenn sie erst gefallen sind, so liegen ja auch Helden nicht lebendiger als die todten Kegel da, und auch sie fallen oft in einem großen Spiele, wo sie nur aufgestellt wurden, damit der Gewinner lärmend ausrufe, wie viele auf seinen Wurf gefallen, und der den König selbst nur aufrichten läßt, um ihn wieder umzuwerfen.

Die Sonne hatte sich zum Niedergange geneigt, und ihre Strahlen sanken hinter den hohen Mauern der alten Burg immer mehr Hinab, — ihr gegen über war der Mond in seinem letzten Viertel den ganzen Nachmittag sichtbar gewandelt, doch mit bleichem Angesicht wie ein Nebelflecken am ätherblauen Himmel, so, als hätte er sich nur im Strahl der Sonne erwärmen wollen. Schien er mir doch wie ein Hofmann, der seine dunklen Seiten vom Glanze seines Gebieters bescheinen läßt, und in seiner Gegenwart mit bleichem Angesicht da steht,

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/145&oldid=- (Version vom 10.3.2019)