Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/157

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ganz im alten holländischen Geschmack mit vielen Blumenbeeten, wo selbst manche für dieses nördliche Klima seltene Pilanze gedeiht. Die vielen langen mit einem Blättergewölbe bedeckten Lindengänge, die um den Garten herumgehen, und bey dem hellsten und brennendsten Sonnenschein dunkle kühle Schatten gewähren; machen hier den Spaziergang sehr angenehm. Solche Schattengänge, deren alte Form mit dem frischen Grün junger Blätter bekleidet ist, schienen mir hier im Angesicht der Ritterburg ein sprechendes Bild der Gegenwart zu seyn; wie sie sich allenthalben mit lebhaften frischen Farben um die Denkmäler der Vorzeit rankte. Einen bejahrten Gärtner, der in dem Garten wohnt, fand ich von seiner Arbeit ruhend mit der Laute in der Hand. Ihre Akkorde hallten mir wie Töne aus den Tagen der Vergangenheit. Ein Gewitter zog mit glühenden Blitzen aus der Ferne heran, und seine voreilende Verkunderin, eine röthlich flammende Wolke stand über dem Gipfel eines hohen Eichenbaumes, der am schroffen Abhange des Berges nach dem Teiche zu,

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/157&oldid=- (Version vom 10.3.2019)