Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/198

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.

an der Wand den Fenstern nach dem Schloßhofe gegenüber, die Kreuzigung Christi vorstellend. Die völlig erhabenen, und gleichsam nur an die Wand gelehnten Figuren in Lebensgröße, haben viel Kraft und Ausdruck. Man hat sie in neuern Zeiten mit Kalk angeweißt, und dadurch haben sie, da sie wahrscheinlich durch die Länge der Zeit mit Staub und Schmutz überzogen gewesen seyn mögen, zwar an Weisse gewonnen, aber an Schönheit viel verloren, Ob es wohl gerade nur immer Gypsfiguten sind, die, mit Schminke übertüncht, an Ausdruck verlieren?

Die Orgel ist ziemlich gut, aber nicht groß genug, um gehört zu werden, wenn, wie Bankau spricht:

Man das Heilig, Heilig! schreiet, daß die ganze Kirche schallt.

Ein Beweis für den Glauben an die Süssigkeit seines Vortrages, ist es, wenn Bankau aus der Kirche in die Honigkammer führt, wo, wie er versichert, süsser Meth gebraut wurde. Doch, da hier nur zu schmecken, nichts zu sehen ist, so gehen wir einen Schritt weiter in ein gewölbtes

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 187. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/198&oldid=- (Version vom 6.4.2019)