Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/230

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Sie werden erstaunen, wie grenzenlos hoch menschliches Elend steigen kann, und wie dennoch zuweilen wunderbare Rettung möglich wird.

Den 16. Oktober 1801 strandete auf der äußersten Spitze des Riffs das schwedische Schiff Jupiter, vom Schiffer Niels Gustav Westerberg geführt. Der Sturm war sehr heftig, und das Schiff sank in kurzer Zeit so tief, daß nur noch die Hälfte der Masten über dem Wasser hervorragte. Der Schiffer und die andere, Schiffsmannschaft wurden gleich ein Opfer der Fluthen, nur der Steuermann, Erich Gergrén, und noch ein Matrose, hatten sich zur Spitze des Mastes geflüchtet, und mit starken Tauen an demselben befestigt. Hier brachte der unglückliche Steuermann, nur in einen durchnäßten Mantel gehüllt, dem schrecklichsten Sturm und Regen ausgesetzt, bis zum 26. Oktober, also 11 volle Tage, zu, ehe von den Fischern entdeckt wurde, daß an den Masten sich etwas zu bewegen schien, und sie zur Rettung herbeyeilten. Sein Leidensgefährte war schon am achten Tage verschieden.

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 219. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/230&oldid=- (Version vom 7.4.2019)