Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/235

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Beitler, eilten nach dem einige Meilen weit entfernten Seeufer, um durch jede nur mögliche Sorgfalt die unglücklichen Gestrandeten zu retten. Der Weg war allenthalben von niedergestürzten Bäumen bedeckt, und nur zu Pferde war es möglich, bis an den Strand zu gelangen. Ununterbrochen tobte der Orkan. Hagel und Regen wechselten ab, und stürzten ein Meer aus hoher Luft in die ihr jezt so fürchterlich verschwisterte Tiefe, Bey dem Dorfe Irben erblickte man zuerst ein Schiff, das ungefähr nur 200 bis 500 Schritte vom Ufer entfernt lag. Der vordere Theil war schon ganz ins Wasser gesunken; nur der hintere ragte noch hervor, und man sah auf selbigem Menschen, die ihre Hände ausstreckten, und deren lautes Wehegeschrey zuweilen selbst das Toben der Brandung und das Geheul des Sturmes übertönte, Rettung schien hier unmöglich; alle Versprechungen, alle Aufmunterung an die am Strande versammelten Bauern blieben fruchtlos. Alle schrien: zwey Schritte in die See und unsre Böte schlagen um — wir müssen ertrinken!

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 224. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/235&oldid=- (Version vom 7.4.2019)