Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/236

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Doch, was ist wahrem Heldenmuthe, den ein heiliges Gefühl der Menschenliebe begleitet, unmöglich? Der Küster Fritze, ein Lette und Erbunterthan des Privatgutes Dondangen, der bisher still, in sich gekehrt und schweigend dem schrecklichen Schauspiele zugesehen hatte, trat jezt feierlich, wie von einem überirdischen Gefühle begeistert, aus der Mitte der Bauern her- vor: —; „ich will die armen Seelen retten, oder sterben!“ sprach der edle Mann. „Wer kommt mit mir, ich gehe voraus!“ ‚rief er. Sein Beyspiel wirkte, noch 5 andere entschlossen sich. Ein Fischerboot ward in die See gestoßen; der brave Fritz ergriff das Steuer mit jener heldenmüthigen Ruhe, die nur den Zweck, nicht die Gefahr mißt; die großen entgegen brausenden Wellen schienen das Boot im ersten Augenblicke zu bedecken, alle am Strande Zurückgebliebenen verhüllten unwillkührlich ihr Gesicht — „sie sind verloren!“ Doch nein, ein Genius der Menschheit, der in der Brust eines Letten sin Heiligthum bewahrte, ebnete vor ihm die stürmische Bahn, Das Fischerboot durchschnitt

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/236&oldid=- (Version vom 7.4.2019)