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und die Schwäche flieht in Ebenen, um die nahende Gefahr in der Ferne zu erspähn.

Lange, lange stand ich hier und sah in den über die Felsen herabstürzenden Strom und auf die Ruinen mir gegenüber. Aus beyden hallte der Spruch Horazens mir entgegen,

Immortalis ne speres, monet annus et almum
                                             quae rapit hora diem
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Damna tamen celeres reparant caelestia Lunae
                                             nos ubi decidimus.
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                                             Pulvis et umbra sumus.


Diese Rummel — wie man den Wasserfall der Windau, unter den alten Mauern des Schlosses, nennt — gewährt ein prächtiges Schauspiel. Die Windau bey Goldingen — schon ein ansehnlich breiter Strom — fließt durch ein hohes Ufer ruhig, still und ernst — wie ein Held, der der Gefahr entgegen geht — bis dann, kurz vor dem Felsen, die Wogen mit einer Gewalt, die allenthalben Furchen in die Felsensteine gerissen, gegen 20 Fuß

hoch sich hinabstürzen[1]. Das Becken unter

  1. Es hat irgend jemand, der die Schönheiten der Natur gern nach Füßen berechnet haben will, die Rummel wäre nicht so hoch; da aber der Felsen, auch so viel ihn Wasser deckt, doch als solcher in Anschlag kommt, so kann mit Recht die Richtigkeit des angegebenen Maßstabes versichert werden.
Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/280&oldid=- (Version vom 21.4.2019)