Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/282

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zu haben? Dort, wo in die unendliche Flut verloren, euch die kleinste Welle als Bruder begrüßt.

Zur Sommerszeit stehen zwischen den vom Strome eingegrabenen Felsenspalten Gerüste von Holz, an welchen Netze herabhängen. Die Fische, die aus der Ferne das gewaltige Brausen des Stromes herbeylockt, werden, indem sie den Felsen hinanspringen wollen und zurückfallen, in den aufgestellten Netzen gefangen.

Um des Felsens Höhe zu erspringen,
Da, wo das Geräusch der Fluten ruft,
In dem fremden Element zu ringen,
Wagen sich die Fischehen in die Luft.

Von der Morgensonne hell beschienen,
Glänzen sie im kurzen Augenblick;
Doch nur zu gewagt ist ihr Erkühnen —
Und gefangen fallen sie zurück,

Wer mit Palmen seine Stirn zu kränzen
Nach der ungemess’nen Höhe ringt,
Denks an des Fischchens kurzes Glänzen,
Das so muthig in die Netze springt.

Oft sieht man zu gleicher Zeit an mehreren Stellen solche aerostatische Versuche der Fische; ich glaube indeß, daß es nur sehr wenigen gelingt, den Felsen zu erspringen,

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 271. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/282&oldid=- (Version vom 21.4.2019)