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habe hier im kleinen häuslichen Zirkel unter Freunden und Bekannten glückliche Tage verlebt, wie sie mir eine fürstliche Residenz leicht versagt haben könnte. Die Kunst hat hier keinen Tempel, der ihrer würdig wäre, errichtet; vielleicht nur deshalb nicht, weil sie es für ein Wagestück hielt, ihn neben demjenigen zu stellen, den sich die Natur rund umher erbauet hat. Die Stadt liegt, auf der nord- und westlichen Seite, an einem beträchtlichen Hügel, auf Felsengrund; nach der Ost- und Westseite zu aber schließt sie an eine Ebene, die eine sehr weite Aussicht in die benachbarte vortreflich angebaute Gegend gewährt. Wenn aber auch das kleine Städtchen, das übrigens in Hinsicht der mehresten Häuser, die bequem, ja eines Theils selbst groß und massiv gebaut sind, einen Vergleich mit den andern Städten Kurlands aushalten kann, durch die Gegenwart, die es zeichnet, wie es ist, wenig Interesse gewinnt, vielleicht gelingt es dann der Vergangenheit, die selbst in einen Zuge der vaterländischen Geschichte die Aufmerksamkeit des Patrioten fesselt, dieses zu erwecken.

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 314. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/327&oldid=- (Version vom 9.9.2019)