Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/330

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Johanniskirchhof, wo die Vergangeheit nur noch in einem alten verfallenen Beinhause ihre Zeichen auf nackte Schädel grub, lehnt jezt eine jüdische Synagoge mit sprechender Toleranz. Als ein Beyspiel dieser hier einheimischen Tugend führe ich das Testament eines hiesigen Ebräers an, der zu einer Uhr auf einem christlichen Kirchthurme, wenn ich nicht irre, die Summe von 100 Rthlr. legirte. Daß dieser Thurm vielleicht gerade der kleinste aller christlichen Kirchenthürme ist, beschneidet seinem Vermächtniß keinesweges das Verdienst, und es läßt sich hoffen, daß wenn erst das Kapital gewachsen ist — dem Thurme dürfte es es schwerer gelingen — die Feyer der Toleranz in jeder Stunde erschallen und der Reichthum des alten Testaments, durch das neue seines Anhängers, vom Thurme her silberrein erklingen wird.

Wann ich dem Leser die ferne Vorzeit und die Gegenwart der Stade Hasenpoth beschrieb, so mag er mit Geduld auch etwas von dem Mittelalter derselben hören, und überhaupt es sich gefallen lassen, daß ich

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 317. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/330&oldid=- (Version vom 28.4.2019)