Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/333

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konnte, und diese ihren Gang hier nicht auf zwey, sondern auf drey Füßen stützte. Späterhin, als die Stadt sich wieder zu vergrößern anfing, verlor sich dieser peinliche Trieb immer mehr, und mit der Toleranz, die ich schon früher zu preisen Gelegenheit fand, kehrte auch jede andere Duldung zurück. Hasenpoth hat seine Existenz im Meere der Zeiten mit Ebbe und Flut verwechselt. Von einer ansehnlichen Handelsstadt war es fast zu einem armseligen Dorfe herabgesunken; vor ohngefähr 12 bis 15 Jahren hingegen hatte der Handel sich wieder mächtig gehoben. Im den Jahren 1794 bis 1797 sind hier allein an baumwollenen Tüchern 12000 Dutzend mehr abgesetzt worden, als in Königsberg und Liebau. Ein Umstand, der daher rührte, weil die polnischen Juden ihre Waaren lieber bey ihren Glaubensgenossen in Hasenpoth als anderswo erkauften. Dadurch waren denn auch die hiesigen Ebräer wohlhabend geworden, daß selbst ihr militärischer Geist, der seit der Zerstörung Jerusalems in tiefem Schlummer lag, hier erwachen und sich im Jahr 1797 oder 1798 eine

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 320. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/333&oldid=- (Version vom 9.9.2019)