Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/357

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Es hat eine schöne Lage an der Windau gehabt, jezt aber sind nur wenige Steinhaufen davon übrig. – Im Frühjahr, wenn der Windaustrom seinen Eisgang feyert, muß hier von diesen Trümmern das große Schauspiel mit diesem Gefühl erblickt werden. Die Zeit und ihr Kommen und Schwinden haben tausend Dichter schon mit einem Strome verglichen, aber schwerlich ist jemals das Bild treffender, als wenn der Strom, von großen und kleinen Eisschollen bedeckt, die Ufer höhnend dahinzieht; hier und da, als wollte er Monumente für die Ewigkeit errichten, Eisfelsen wie Berge thürmt und sie doch gleich selbst wieder untergräbt und fortspült; hier einen Strohhalm, dort einen Kahn, ein Bild des menschlichen Lebens, davon trägt; hier ein junges Bäumchen der Wurzel entspült und dort eine untergrabene Felsenwand in den Abgrund zieht. Mit treffender Wahrheit muß sich auf den Trümmern einer alten Feste ein solches Bild idealisiren lassen; ein Bild, das hier durch acht alte eiserne Kanonen, die auf der andern Seite der Windau dem Schlosse gegenüber

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 342. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/357&oldid=- (Version vom 5.5.2019)