Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/412

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wir desto ungestörter die vorzüglichsten Tempel der Kunst, und die dem geselligen Vergnügen geweihten Plätze betrachten.

Ich nenne das Theater zuerst, weil es gewiß die vorzüglichste Unterhaltung ist, welche Mitau während der Johanniszeit darbietet. Die rigasche Schauspielergesellschaft kann sich dreist mit vielen vorzüglichen Theatern Deutschlands messen. Sie spielt in der Regel fast den ganzen Junymonat hindurch in Mitau in einem von dem Direktor, Herrn Meyrer, vor wenig Jahren, auf seine eigene Kosten, erbauten, geschmackvollen Schauspielhause, das gegen 1200 Personen faßt, und jeden Abend ohne Ausnahme stark besetzt, oft zum Ersticken überfüllt ist. Bey dem Tadel, der zuweilen über diese Gesellschaft, oft nur um die Bekanntschaft mit auswärtigen Bühnen zu beweisen, ausgesprochen wird, fällt mir die Behauptung einer gereisten Dame ein, die im ganzen Ernst versicherte, die Nachtigallen hätten am Fuße der Alpen zwey Töne mehr Höhe und Tiefe, und modulirten ihren Gesang besser als die unsrigen. So geht es denn auch mit den Urtheilen über einheimische Kunst aller

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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 397. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/412&oldid=- (Version vom 19.5.2019)