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Darstellung zu liefern, ich dennoch auf der andern die Schonung mancher Verhältnisse zu bewahren hatte, um nicht mit dem mehr belobten Dichter Bornmann ausrufen zu müssen:

Willst Du mich, mein Mitau, hassen?
Warurmb wetzest du den Zahn,
Mich ins dicke Fleisch zu fassen?
Hab ich Übles dir gethan?
Ey, so sage, was es ist,
Und warumb du zornig bist.

Eben daher scheide ich von der Hauptstadt meines Vaterlandes, an der ich keinen auffallenden Mangel kenne, welcher nicht eben so gut das Erbtheil anderer Städte des zweyten oder dritten Ranges wäre, gern in Frieden. Doch ehe ich Mitau ganz verlasse, will ich noch ein Paar Worte von den nächsten Umgebungen sprechen, welche den Städtern zu Spaziergängen oder zum Sommeraufenthalte dienen.

Sehr häufig wird die von Flössen zusammengesetzte Brücke über die Aa, besonders an heitern Sommerabenden, von Spaziergängern besucht. Die Aussicht auf die schönen Häuser an der Drixe, auf das Schloß und den mit ansehnlichen Lastböten besetzten Strom ist reizend, und das Hin- und Herfahren der Extraposten und mancherley Equipagen, die von Riga kommen oder dahin wollen, geben der Brücke eine Lebendigkeit, wie sie keine Gasse in der Stadt selbst hat. —

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 435. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/450&oldid=- (Version vom 19.5.2019)