Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/77

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See übersieht. Von dem Schlosse sind nur noch die Trümmer der Ringmauer übrig und von den innern Gemächern ist kaum eine Spur vorhanden. Auffallend aber war es mir hier‚ den ganzen ehemaligen Schloßplatz in ein fruchtbares Feld umgeschaffen zu sehen. Hier reift jezt der Segen des Landmanns, wo früher Thränen für ihn keimten.

Nach einem anhaltenden Regen, der Felder und Wiesen überströmte und die Heuerndte so lange schon unterbrochen hatte, blickte endlich wieder ein heiterer Himmel hernieder — und ich sah auf der Wiese bey Durben sogleich eine Menge von Männern und Weibern, unter frohen Gesängen der letztern, mit der Heuerndte beschäftigt. Die Sonne war im Niedergange und hatte ihre Strahlen in einen glühenden Wolkenschleyer gehüllt, der zur Ostsee hinflatterte, um dort, wenn jene ihr heißes Gesicht in den Fluthen gekühlt, herabzufallen. Um die Ruinen und den Flecken warfen die verhüllten Sonnenstrahlen eine matte röthliche Beleuchtung, ein blutiger Äther schwamm um den Fichtenwald über die Gräber der hier erschlagenen

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/77&oldid=- (Version vom 2.3.2019)