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Helden. Die lauten, rohen Gesänge auf der Wiese tönten wie die Siegesgesänge der Überwinder; und mir schien als hörte ich ein Triumphlied, dem Pikollos geweiht, wie es Werner im Kreuz an der Ostsee anstimmen läßt. Dieser bleiche Gott Pikollos[1] konnte jedoch nicht lange seine Gläubigen schützen, nicht einmal erröthen, als man sie der christlichen Sklaverey übergab. Damals aber, unter Anführung des edlen Samländers Sklodo, wurden die Deutschen hier gänzlich geschlagen, wie schon oben erzählt ward. Von 14 gefangenen Rittern wurden 8 dem Pikollos geopfert und die übrigen unter Martern hingerichtet. Der Schrecken war, wie Arndt berichtet, so groß unter den Christen, daß 3 oder 4 verwegene Heiden wohl ihrer 100 auf der Flucht getödtet haben sollen. Duisburg hält jedoch die erschlagenen Ritter für den Verlust des

Lebens auf eine andere Weise schadlos, und

  1. Pikollos ward zu Romove, als ein bärtiger bleicher Greis mit umwundenem Kopfe, verehrt; Todtenschädel lagen zu seinen Füßen.
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Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 67. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/78&oldid=- (Version vom 2.3.2019)