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darzustellen, nicht übel. Jeder Mensch hat eine Zeit, wo ihn das Schicksal mit einem Goldglanze auf den trüben Grund des Lebens stellt, und wer das Bild dieser Zeit bewahrt, hat in der Erinnerung schon den Schatten seines ehemaligen Glücks erhalten, und kann auf diesen Brandbrief seines eignen Ichs sicher auf Mitleid rechnen. Der Leser verzeihe mir diesen Abweg im Angesicht der Stadt, wohin ich ihn zu führen beschloß, Dicht vor derselben ist ein liebliches Wäldchen von hohen Schwarzellern, das wegen seines Moorgrundes eben nicht zur Promemade taugt; dem wäre jedoch durch einige Gräben leicht abzuhelfen,

Daß Liebau’s wohlhabende Bewohner, die Sinn für den Genuß heiterer Natur und doch keine schattenreiche Spatziergänge haben, hier, wo es so leicht ist, keine anlegen, ist mir unbegreiflich, und der Grund, den man dagegen anführen will, daß dadurch das Heu verloren ginge, gnügt mir nicht. Freude und Naturgenuß können nicht nach Schiffpfunden berechnet werden.

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/91&oldid=- (Version vom 3.3.2019)