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blutetete, die Brust stieg und sank in einem tiefen Seufzer - der junge Jäger war süß umzogen von zarten Liebesnetzen, in welchen ein mächtigerer Waidmann auf grüner Bahn in Waldesstille ihn gefangen hatte. Mit glühender Sehnsucht sprang er auf und Abschied nehmend von der Quelle, ging er sinnend in den tiefen Forst, die verlornen Gefährten, - den schönen Falken und die goldgelben Rüden - aufzusuchen. Aber sein Herz war andrer Gedanken voll, das Bild des Mädchens war wie ein unverlöschliches Siegel darin abgedruckt, diese Liebe führte ihn auf unbekannte Irrpfade so daß er immer weiter von den seinen sich trennte und endlich in tiefer Nacht vor der heimlichen Hütte stand.

(Die Fortsetzung folgt).




Volkslieder.




7.

     Drei Wochen vor Ostern dann geht der Schnee weg,
Dann heirathet mein Schätzchen dann hab ich ein Dreck.

     Treu hab ich geliebet was hab ich davon,
Mein Schätzchen betrübet das hab ich zum Lohn.

5
     Was hilft wir mein Grasen wenns Sichel nicht schneit,

Was hilft mir mein Schätzchen wenns bey wir nicht bleibt.

     Bald gras ich am Acker, bald graß ich am Rain,
Bald hab ich ein Schätzchen und bald hab ich auch keins.

     Drei Rosen im Garten, drei Näglein im Wald,

10
Den Sommer ist es lieblich den Winter ist es kalt.


     Ein altes Paar Ochsen, eine schwarzbraune Kuh
Das gibt mir mein Vater, wann ich heirathen thu.

     Gibt er mir sie nicht so heirath ich nicht
So schlaf ich beim Schätzchen und sag es ihm nicht.

15
     Hab Haber gedroschen hab Linsen gesät

Hab manches schön Mädel zum Tanze geführt.

     Auf unser Makammer da stehet ein Tisch
Da rappeln die Gläser da trinken wir frisch.

     In Ungern in Polen gehts lustig darzu

20
Da tanzen die Jungfern da klappern die Schuh.


(Mündlich aus Ippinghausen in Hessen.)




Ueber altdeutsche Gemälde.




Es scheint besonders in der nächsten Generation nach Johann von Eyck gewesen zu seyn, wo sich von den niederländischen Küsten an nach und nach am ganzen Rhein hinauf bis gegen die Schweiz, Zweige einer großen Maler-Stammschule verbreiteten, mannichfach unter sich verschieden wie die Charaktere und Dialekte der Völkerschaften unter welchen sie blühten, aber verbunden durch die gemeinschaftliche Selbstständigkeit als ein deutsches Künstlergeschlecht, und in freiem freundschaftlichen Vereine sich gegenseitig ergänzend und von einander lernend. Da in den Niederlanden bis Köln hinauf die Periode des reindeutschen Strebens in der Malerei, oder vielmehr des allgemein menschlichen Auffassens der nächsten Natur, wie sie sich im[WS 1] deutschen ihr unbewußt hingegebnen Gemüthe geistig abspiegelt, schon ihre höchste Stufe erreicht hatte, so zog sich dieser herrliche Geist von dort progressiv die Gegenden des Rheines hinauf, und wir finden seine spätesten sehr deutlichen Anklänge in der südlichsten Spitze die er erreichte, in manchen Werken des großen Hans Holbein von Basel. Damals suchten die niederländischen Maler entweder schon in der italiänischen Natur und Kunst, was der weniger unbefangene Geist aus den nächsten Umgebungen nicht mehr herauszubilden wußte, wie zuerst Johann von Mabuse, dann Schoreel und mehrere andre; oder sie traten zu sehr in ihre eigne individuelle Natur zurück, so daß sie hier wieder auf der andern Seite nicht frei von Manier bleiben konnten, wie besonders Lukas von Leyden. Wir sind weit entfernt den Ruhm der genannten großen Meister und derer, die mit ihnen denselben Weg gingen, nicht als gerecht und wohlverdient anerkennen zu wollen, aber jener ursprüngliche Geist der Kunst, der so wunderbarer Weise das Allernationalste und Eigenthümlichste mit dem Allerallgemeinsten und der freien, kindlichen Menschennatur Eigensten verbindet, dieser spricht uns nirgends wieder in so klaren und tiefen Aeußerungen an, als nach seinen verschiedenen Modificationen theils im Kölner Dombilde, theils in den Werken Eycks und seiner nächsten Schüler, besonders des vortrefflichen Hans Hemmelink und eines andern, von dem wir künftig zu handeln gedenken und der vielleicht Roger van Brügge ist. Zwischen diese verschiedenen Schulen nun (wenn man sie so nennen kann) sind mancherlei Zwischenglieder zu setzen, theils Vereine theils einzelne Künstler zu beiden Seiten des Rheins und am Mayn, welche großentheils noch sehr wenig bekannt und es zu werden doch ohne Zweifel würdig sind. Dasselbe ist der Fall mit manchen Künstlern und Werken, die zu jenen neuerlich berühmter gewordenen Mahlervereinen selbst gehören. Daher werden uns vielleicht manche unserer Leser Dank wissen, wenn wir in diesen Blättern einige einfache Angaben und Beschreibungen von einzelnen in jenen Gegenden befindlichen oder doch daselbst entstandenen Bildern geben,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: in. Siehe Druckfehler S. 120.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene:Wünschelruthe. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1818, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:W%C3%BCnschelruthe_Ein_Zeitblatt_099.jpg&oldid=3433109 (Version vom 25.9.2018)