Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/115

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etwas oder weiß etwas; Jeder nützt es auf seine Art; der Rat versucht die Bildung einer gemeinen Beute; der Einzelne hat demgegenüber seine eigenen Interessen; und immer deutlicher treten im Verlaufe dieses aufgeregten gierigen Treibens die großen Krämer Wechsler und Goldschmiede Basels — Hans Irmi, Mathis zum Agstein, Anton Waltenhein, Andres Bischoff, die Rutenzwig u. A. — uns entgegen, die ihre Geschäfte machen, allenthalben Experten und Käufer sind. Bis zuletzt der ganze Schatz zerronnen ist, nichts mehr von ihm sichtbar bleibt als da und dort auf Kredenztischen, an Kleidern, an Fingern und über weißen Brüsten ein schönes Schaustück, und als Trophäen der Stadt die großen Büchsen im Zeughause oder von den Emporen des Münsters niederhängend die farbenhellen Fahnen.


Der Siegesfreude von Grandson folgte kein beruhigtes Atemholen. Man hatte noch zu wenig geleistet, den Frieden noch nicht verdient.

In der Tat bat Bern die Basler schon am 12. März, sich zu neuem Kriege gerüstet zu halten, und nach wenigen Tagen folgte die eigentliche Mahnung. Basel tat sein Möglichstes; am 29. März sandte es seine Truppen wieder ins Feld, elfhundert Fußknechte und gegen hundert Berittene, unter den Befehlen des Oberstzunftmeisters Heinrich Iselin und des Hans Eberler. Jenseits der Birsbrücke wurden die Kriegsartikel verlesen und beschworen; dann brach man auf zum Marsche. Aber ein Läufer Berns kam schon hier dem Zug entgegen mit einem Briefe, in dem Bern seine Mahnung widerrief; es bedürfe zur Zeit der Hilfe Basels nicht.

Berns Widerruf war eine Folge der Opposition, die seiner Politik durch die östlichen Kantone gemacht wurde. Der Streit dieser Meinungen auf der Tagsatzung und ein emsiges diplomatisches Getreibe füllen diese Wochen. Die Gesandten des Kaisers, Dr. Georg Heßler und Graf Heinrich von Rechberg, wollen Niedere Vereinigung und Eidgenossenschaft zur Annahme des Friedens mit Burgund veranlassen, desselben Friedens, aus dem sie durch die Beredungen von Nancy doch sind ausgeschlossen worden. Es ist ein ränkevolles Spiel, wobei der Kaiser die Eidgenossen vom vorzeitigen Losschlagen gegen Herzog Karl zurückzuhalten, sie und die Niedere Vereinigung zu trennen, die letztere überdies zum Preisgeben ihres lothringischen Bundesgenossen zu bringen sucht.

Ganz unmittelbar tritt uns aus den Aufzeichnungen des Chronisten, aus seinen bittern Äußerungen über den Kaiser, aus einer düstern Prophezeiung die ihm zu denken gibt, die Stimmung dieser Tage entgegen. Man

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/115&oldid=- (Version vom 8.8.2016)