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wiederum Basel gegen König Ludwig aufgeboten hatte, hieß es jetzt, daß er seine Tochter mit dem Dauphin verlobt habe; man vernahm vom Heranziehen eines großen französischen Heeres gegen das Elsaß. Die Torwachen wurden verstärkt, die Werbungen neuerdings verboten. Es war eine bedrohliche Zeit, Raub und Bosheit in allen Landen; in der Nähe der Stadt, beim Roten Hause, wurde der angesehene Dr. Durlach durch den österreichischen Landvogt Wilhelm von Rappoltstein überfallen. Dazu die schwere Not im Sundgau, wo unter der Schuldenlast ein Sturm gegen die Juden losbrach, das Ungeziefer die Saaten fraß, Teurung herrschte. Ganz unmittelbar hatte Basel mitzutragen und zu leiden, was das Nachbarland litt, und erlebte zu Allem noch das ängstigende Wunder einer Sonnenfinsternis.

Der Rat mußte auch deswegen in Sorgen stehen, weil der Zürcher Friede keineswegs eine dauernde Beruhigung gebracht hatte. Die Unterhändler Frankreichs waren nach wie vor am Werke bei den eidgenössischen Orten; sie fanden um so eher Gehör, als das Geld Maximilians ausblieb. Und neben diesen Verhandlungen her ging der Krieg der französischen Truppen in der Freigrafschaft. Im Mai 1479 fiel, durch oberrheinische und schweizerische Söldner verraten, Dôle in die Gewalt der Franzosen; unter fürchterlichen Greueln wurde die blühende Stadt ausgemordet, dann verbrannt. Neben Heinrich Müller von Zürich, Konrad Frölicher von Solothurn u. A. wird auch Hans Schweizer von Waldenburg bei denen genannt, die an der „Geschichte ze Dol“ gewesen seien.

Die Tragödie von Dôle fand in Basel ein Nachspiel, indem dieses dazu kam, den in seiner Geschichte so oft geübten Beruf eines Refugiums auch in diesem Falle wieder zu bewähren, durch Aufnahme der aus der Vernichtung jener Stadt Fliehenden. Zwar daß der gelehrte Hugo Avene, der sich nach Besançon hatte retten können, die von ihm gewünschte Professur an der Basler Universität erhalten habe, ist nicht zu ersehen. Wohl aber kam eine Reihe burgundischer Magnaten nach Basel: die Herren von Chalon, von Hasenburg, von Montagu, von Vaudrey, an ihrer Spitze der Prinz Johann von Oranien, der Maximilians Statthalter war. Diesen Allen samt Familien Gefolgen und Dienerschaften verhieß der Rat seinen Schutz, gegen Zusage ruhigen und friedlichen Verhaltens. Der Prinz erhielt Wohnung im Hause des Bernhard Sürlin auf dem Petersberg; am 5. Juli lud er Rat und Domkapitel zu einem Bankette.

Basel verständigte von dieser Aufnahme burgundischer Refugianten sowohl seine Bundesgenossen der Niedern Vereinigung als die eidgenössischen

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/129&oldid=- (Version vom 14.8.2016)