Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/130

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Orte. Weder jene noch diese hatten zunächst etwas einzuwenden. Wohl aber erhob König Ludwig scharfen Protest dagegen, daß seine Feinde in Basel geschirmt würden, und gerade zu dieser Zeit war er dem Friedensschlusse mit den Eidgenossen nahe. Die Wirkung hievon zeigte sich sofort im Verhalten der Eidgenossen selbst. Die Beschwerden der Niedern Vereinigung über gefahrdrohende Ansammlungen französischer Truppen an der Grenze beschwichtigte die Tagsatzung mit der Erklärung, daß „sie nichts als Gutes vom König erwarte“; aber auf die Klage des Letztern wegen angeblicher Feindseligkeiten der in Basel geschirmten Burgunder trat sie ein. Sie sandte den Hans Feer nach Basel und ließ dort ihren Willen kundtun, daß man sich aller Aufwieglung gegen Frankreich enthalten solle; gegen ungerechte Angriffe würde die Eidgenossenschaft der Niedern Vereinigung beistehen; sollte diese aber fortfahren, den König zu reizen, so könnte sich die Eidgenossenschaft ehrenhalber mit der Sache nicht mehr befassen. In solcher Weise redete Feer zu Basel am 21. Juli; am 9. September 1479 wurde der Vertrag der Eidgenossen mit König Ludwig abgeschlossen, wodurch sie ihre Ansprüche auf die Freigrafschaft an Frankreich abtraten.

Es ist bemerkenswert, wie Eidgenossenschaft und Niedere Vereinigung verschiedene Wege einschlagen. Während jene sich mit Frankreich verständigt, hält diese an ihrer traditionellen Aufgabe fest, hier an der Grenze für die deutsche Nation einzustehen und dem wälschen Wesen zu begegnen.

Schon im Januar 1479 waren Warnungen nach Basel gekommen; aber der Chronist hatte damals gefunden, die Stadt habe mehr um die Feindschaft Solothurns sich zu kümmern, als um die Wälschen; auch der Rat war bei seinen Maßregeln für Sicherung der Stadt im Zweifel gewesen, „vor wem man sich hüten solle“. Aber bald nahmen die Gerüchte bestimmtere Form an. Im Mai hieß es, daß zweiundzwanzigtausend Bogner und dreißigtausend Reisige Frankreichs sich bei Dijon sammelten, um in deutsches Land zu rücken, und daß sie auch Büchsen bei sich hätten zur Belagerung der Städte. Basel war darauf gefaßt, den Ludwig, den es schon vor fünfunddreißig Jahren vor seinen Mauern gesehen, wiederum als Feind empfangen zu müssen. Auch der österreichische Landvogt mahnte zur Rüstung. Wie in den bedrohlichen Jahren Herzog Karls waren die Zustände. Die geängsteten Bauern flüchteten ihre Habe in die festen Plätze. Die „Ortschlösser“, Mömpelgard voran, erhielten wieder Garnisonen der Niedern Vereinigung; auch Basel hatte dort Mannschaften an der Landwehr liegen. In diesen Zusammenhang von Schutzmaßregeln ist die Errichtung der Hohkönigsburg zu fügen; als Trutzwälschland, als Schirm

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/130&oldid=- (Version vom 14.8.2016)