Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/151

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Er ging jetzt sogar noch weiter und schlug Basel, das im Frühjahr 1484 wegen der Klingentaler Reformation, wegen der Bischoffischen Verschwörung, wegen der Konzilssache, wegen Geleites und feilen Kaufes im Sundgau mit ihm verhandelte, bei dieser Gelegenheit geradezu den Abschluß eines Bündnisses vor. Deutlich war ja, wie viel er und die Stadt allezeit miteinander zu tun hatten, und es schien richtig, diesen Beziehungen eine feste Form zu geben. Die Reise der österreichischen Räte nach Basel, die Anwesenheit einer Basler Gesandtschaft in Innsbruck, mit dem Bürgermeister Hans von Bärenfels an der Spitze, lassen uns erkennen, wie ernstlich verhandelt wurde; eine ganze Reihe von Bündnisentwürfen liegt vor. Daneben steht das Geschenk eines Prachtbechers durch Basel an den Herzog, wohl aus Anlaß seiner Vermählung mit Katharina von Sachsen. Dennoch ward zuletzt nichts aus der Sache. Der Rat brachte sie vor die Sechser, und hier ward gefunden, daß es „bei den Zeiten ungelegen“ sei, sich mit Jemand in ein Bündnis einzulassen. Man zog vor, keine Verbindlichkeiten zu haben und von Fall zu Fall handeln zu können. Sofern der Herzog und seine Ritterschaft der Stadt wie bisher Freundschaft und „Liebtat“ beweise, werde Basel desselben geneigten Willens gegen sie sein. Daß dieses Verhalten richtig war, einem Fürsten wie Sigmund und dessen Vertreter in den Vorlanden, Graf Oswald von Tierstein, gegenüber, zeigte sich schon nach Kurzem.

Am 17. Juli 1487 verkaufte Sigmund den Sundgau, den Breisgau, den Schwarzwald, die vier Städte am Rhein nebst andern vorderösterreichischen Gebieten an die Herzoge Albrecht und Georg von Bayern. Die Vorgeschichte dieses Aktes ist hier nicht zu schildern; es zeigt das Haltlose der Handlungsweise Sigmunds, ist Zeugnis der starken und kühnen Politik, mit der die Wittelsbacher damals vorgingen und die sie auch schon 1466 dazu geführt hatte, dem Johann von Venningen das Bistum Basel abnehmen zu wollen. Den Vorlanden aber verhieß es etwas völlig Neues und brachte sie in die größte Erregung; sie waren wieder durch ihren Herrn verhandelt wie vor achtzehn Jahren in St. Omer. Auch Basel, noch in frischem Unwillen über den Münchensteiner Handstreich der Solothurner stehend, schaute sich besorgt um. Was Wittelsbacher Regiment bedeutete, war vor einem Jahr erst bei Regensburg zu sehen gewesen: die alte Freistadt hatte am 6. August 1486 dem Herzog Albrecht huldigen müssen; und warum sollte dieser nicht mit Basel das Gleiche versuchen wollen? Auch von den Verhandlungen der Herzöge mit Ungarn, mit Frankreich, mit den Eidgenossen, von dem Projekt einer gegen Österreich gerichteten Koalition dieser Mächte konnte Basel unterrichtet sein.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/151&oldid=- (Version vom 28.8.2016)