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diejenigen der Werdenbergischen Verwandten, sondern auch an solche, die in die Kreise des Basler Adels und des Rates selbst hineinreichten. Ein Zusammenhang des Handels mit den allgemeinen Beziehungen der Stadt zu Österreich und zum Reiche ist freilich nicht zu erkennen. Er hat nur die Bedeutung einer Episode. Aber sein schmählicher Verlauf konnte von Wirkung sein auf die künftige Gestaltung der Dinge innerhalb Basels selbst.


Während in solchen Vorfällen und Verhandlungen nur etwas Traditionelles weiterlebt und auch die Reichspolitik Basels ihren ruhigen Gang gefunden hat, gähren und reifen neue Zustände immer heftiger.

Am äußerlich auffallendsten kündet sich dies im Unwesen der „laufenden Knechte“. Daß Einzelne in fremde Kriege wegliefen, kam schon frühe vor; die in unruhiger Zeit zusammentretenden Freischaren haben wir kennen gelernt; nun aber steht das merkwürdige Problem eines allgemeinen Mobilwerdens des Volkes vor uns. Die Schilderung dieses Vorganges gehört an andre Stelle. Aber zu erwähnen ist er schon jetzt, weil durch diese Reisläufer zum ersten Mal auch das ferne politische Geschehen hier auf weite Kreise wirksam wird. Unzählige werden versucht, Kraft und Leben außerhalb der kleinen Heimat einzusetzen; sie bezeugen zugleich und bewirken eine große Erweiterung der Interessen; sie vermitteln ein Hereinfluten neuer Mächte in das städtische Leben. Diesen begegnen andre Strömungen und Stürme. Die Sundgauische Bauernerhebung, die Bewegungen im untern Birstal, das Treiben der Räuberbande die sich „Donnerknaben von Binzen“ nennt und dergleichen mehr zeigen das Land ringsum in Gährung. Aber über dies Lokale und Provinziale weit hinaus ist es eine allgemeine Unruhe, die den Charakter der Zeit ausmacht. Alle Welt ist seltsam erfüllt von Kraft und Verlangen, kampflustig ungestüm wild, daneben religiös mannigfaltig erregt, aber auch in Verwirrung und Ratlosigkeit getrieben durch die Schrecken, die als Krieg Epidemie Hungersnot diese Jahre heimsuchen. Die Denkenden sind bewegt durch das Gefühl, in einer wunderbaren Zeit zu stehen, und dies Gefühl überwindet etwa sogar die strenge Form amtlicher Äußerung. Wir hören den Basler Rat in Klagen ausbrechen über diese schweren ungeheuern Läufe, da Niemand wisse, wonach er sich richten solle; auch der regierenden Planeten Ungestüm erzeige sich widerwärtig; seine Hoffnung sei allein, daß Gott, in dessen Macht alle Händel liegen, darein sehen und alle unzufriedenen Herzen in Ruhe setzen möge.

Ein Gewühl breitet sich vor uns, aus dem sich jetzt die merkwürdig reich gefüllten Jahre 1497 und 1498 erheben.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 144. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/165&oldid=- (Version vom 28.8.2016)