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auch wieder ein Aufgebot zur Stellung von Kriegsvolk. Aufs neue sah sich der Rat mitten in den drängendsten Geschäften; in Ensisheim, in Neuenburg, in Straßburg hatten seine Gesandten zu arbeiten. Es waren peinliche Verhandlungen, heftige Debatten. Und die Bewegung, die bei alledem in Basel selbst gährte, können wir nur ahnen.

Friedensunterhandlungen zwischen den Eidgenossen und dem König, durch den Herzog Ludwig Sforza von Mailand betrieben, hatten schon vor Dornach stattgefunden. Jetzt nach der Katastrophe wurden sie in bestimmterer Form wieder aufgenommen, und als der geeignete Ort für die Zusammenkunft erschien Basel.

Vom 15. August an trafen hier die Gesandtschaften ein; zuerst der königliche Hofmarschall Paul von Lichtenstein, dann die andern Vertreter Maximilians, an ihrer Spitze der schöne jugendliche Markgraf Kasimir von Brandenburg; als französischer Botschafter Herr Tristan von Salazar, Erzbischof von Sens; der mailändische Gesandte Galeazzo Visconti; jeder dieser Herren mit glänzendem Geleite von Edelleuten, gefolgt von Familiaren Trabanten Bewaffneten. Zugleich mit ihnen, ebenfalls von starken kriegerischen Scharen umgeben, ritten die Boten der eidgenössischen Orte ein. Auch Schaffhausen St. Gallen Appenzell, der Graue Bund, Wallis Rotweil hatten hier ihre Vertreter. So sah die Stadt, die in diesen Monaten schon so Manches erlebt hatte, nun auch einen großen Friedenskongreß. Sie hatte die Straßen durch ihre Landschaft frei zu halten und zu besetzen, damit die Gesandtschaften unangefochten durchkämen; in einer Proklamation an die Einwohnerschaft befahl der Rat, Geläuf und Parteiung zu meiden, den Fremden mit Zucht zu begegnen.

Aber die Verhandlungen gingen mühsam zögernd. Man fand wenig Übereinstimmendes. Forderungen und Gegenforderungen lagen weit auseinander.

Dem Hader der Deputierten antworteten Unruhe und Streit draußen im Lande. Im Sundgau wurden Truppen gesammelt; man sah deutsches Hilfsvolk Kleinbasel vorbei und den Rhein hinauf ziehen; die Eidgenossen rüsteten aufs neue zum Krieg.

Da trat ein unerwartet förderndes Ereignis ein. Während man zu Basel beisammen saß, eroberte König Ludwig von Frankreich das Herzogtum Mailand und vertrieb den Herzog. Dies brachte Maximilian zum Einlenken. Nachdem am 25. August, unter Ansagung eines Waffenstillstandes, die Verhandlungen abgebrochen worden, wurden sie am 6. September auf neuen Grundlagen wieder aufgenommen.

Sie dauerten noch zwei volle Wochen, wobei der Friede noch einmal zu scheitern schien. Lebendig bewegt treten uns diese Tage entgegen in den

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 173. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/194&oldid=- (Version vom 24.10.2016)