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Aber so sehr erscheint, drinnen wie draußen, das was folgt als unmittelbare Fortsetzung des Geschehenen, daß dieser Friede kaum als Unterbrechung gelten kann. Die neue Bahn war schon vorher beschritten und der Gang unaufhaltsam.

Dies zeigte sich sogleich in der Beseitigung der beiden Bürgermeister. Daß diese während des Krieges so korrekt als möglich zur Neutralitätspolitik der Stadt gehalten hatten, wurde erwähnt; aber die Dornacher Katastrophe mußte ihnen zu denken geben und zeigen, wohin Basel trieb. Sie hatten wohl immer noch an einen schließlichen Sieg des Königs geglaubt; jetzt rechneten sie mit einer ganz andern Zukunft. Dazu die starke Erregung um den Kongreß her; die Partei Offenburgs mochte noch deutlicher als bisher zur Eidgenossenschaft neigen, und auch an Beeinflussung durch die Gesandten des Königs sowie durch Adlige fehlte es gewiß nicht. Wozu noch länger für diese Stadt arbeiten, zwischen diesen Krämern und Handwerkern wie in der Verbannung sitzen? Ein Protest war schon das Fernbleiben beider Herren vom Hochamt am Friedenstage gewesen; rasch wuchs der Gegensatz; im Oktober gab der Rat von sich aus dem Hans Imer von Gilgenberg die Entlassung, in denselben Tagen, da dieser über einen Verkauf seiner Burg Gilgenberg mit König Max verhandelte. Da „sah auch Herr Hartung von Andlau, wie es gehen wollte“, und verließ freiwillig das Bürgermeisteramt. Mit ihm ging der letzte Ritter aus dem Basler Rathause.

Lienhard Grieb wurde Statthalter des Bürgermeistertums. Wenn aber die Stadt in solcher Weise und herausfordernd handelte, so war von ihren Widersachern nichts Anderes zu erwarten.

Wenige Jahre später schilderte ein Basler Chronist diese Zeit: „Der im Frieden gegebenen Zusage getrösteten sich die Stadt Basel und die Ihren; sie ward aber übel an ihnen gehalten. Denn sobald der Friede geschlossen war, waren die von Basel nirgend mehr sicher außerhalb ihrer Stadt und in der Herrschaft Land. Man beraubte und erstach sie; darnach, wenn Solches geschehen war, wollte Niemand es getan haben. Sie waren allenthalben verhaßt; man sang schändliche Lieder von ihnen. Solche Not derer von Basel währte mehr als zwei Jahre lang.“ Mit diesen wenigen Worten ist im Grunde Alles gesagt, was not tut.

Das damalige Basel hat freilich seine Erlebnisse mit außerordentlicher Sorgfalt gebucht, des Zeugnisses wegen und um sich selbst für immer zu rechtfertigen. Aber unsre Aufgabe ist nicht, hier die Fülle dieser Nachrichten wiederzugeben; wir würden dadurch das Bild der wie von einer unerbittlichen Macht stürmisch vorwärts getragenen Zeit nur zersplittern.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 175. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/196&oldid=- (Version vom 24.10.2016)