Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/202

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Auf 18. März wurde die Besprechung angesetzt, nach Basel, wohin die eidgenössischen Boten auch zu Verhandlungen mit Gesandten Maximilians über verschiedene noch unbeglichene Streitpunkte aufgeboten waren. Eine Szene voll verhaltenen Lebens muß dies Zusammentreffen hier gewesen sein; hart nebeneinander in der Ehrenweinrechnung des Basler Rates stehen der Landvogt von Ensisheim, Räte des Straßburger Bischofs, Doktor Stürtzel, Herr Ulrich von Habsberg, die Gesandten der Eidgenossen. In zahlreichen Konferenzen saßen diese mit Häuptern und Ratsherren zusammen im Schmiedenzunfthaus, zum Storchen, zum Silberberg, dazwischen in gesonderten Besprechungen mit Dr. Thüring Fricker in der Herberge zum schwarzen Sternen. Bis am Sonntag Lätare, 21. März, der Entwurf eines Bundes zu Stande kam.

Die Gedanken, die Basel leiteten, sind nirgends zusammengefaßt. Es mochte abwägen, wie viel es opferte und wie viel es gewann. Neben der Scheu, sich zu binden, regte sich das oft schon empfundene Gefühl seiner exponierten Lage, das Verlangen nach Hilfe der neuesten Bedrängung gegenüber. Der Glanz eidgenössischer Kriegsgewalt, die Beziehungen zu Frankreich und Italien stellten sich in Vergleich mit der Misere des Reichsheeres, mit der Kleinheit der gewohnten oberrheinischen Händel.

In geschlossener Form, lebendig gefühlt, ohne Vorbehalt stehen demgegenüber die Motive der Eidgenossen, die sie im Abschied vom 21. März niederlegten. Zunächst die dankbare Erinnerung an die Treue und Freundschaft, die Basel im letzten Kriege den Eidgenossen bewiesen habe; durch kein königliches Mandat habe sich die Stadt dazu bewegen lassen, gemeiner Eidgenossenschaft entgegenzutreten. Es ist dieselbe Anerkennung der Neutralität Basels als einer den Schweizern förderlichen Sache, die auch bei den Chronisten sich findet. Aber was jetzt vor Allem anerkannt wurde, war die politische und strategische Bedeutung der Stadt. Sie ist die Brückenstadt, die den Strom beherrschende, die das Land schließende Stadt; das Bollwerk der Eidgenossenschaft gegen die niedern Orte, ein Tor und Eingang für Kauf und Verkauf und alles Gewerbe des Rheinlandes; sie ist die ehrliche mächtige wohlgelegene Stadt, die sich öffnet in den Sundgau und Breisgau, damit diese müssen und mögen in Sorge sein, wenn sie sich anders als gebührlich halten. Sie gibt auch gegen die vier Rheinstädte einen offenen Zugang auf beiden Ufern, so daß diese Städte, aber auch der Schwarzwald und der Breisgau, gezwungen werden können, den Eidgenossen feilen Kauf und freies Gewerbe zu gestatten und die bisher geübte Verachtung zu unterlassen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/202&oldid=- (Version vom 24.10.2016)