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So der Abschied, der nun allenthalben in den Orten geprüft und erwogen wurde. In Basel hielt am 27. März der Große Rat Sitzung und beriet die Sache.

Basel, seines Wertes bewußt, hatte gleich zu Beginn der Verhandlungen gefordert, daß es als ein „Ort“ anerkannt und in Sitz und Rang bei hergebrachten Würden belassen werde. Dieses Begehren gab viel zu reden, umsomehr, da es mit Verhandlungen darüber zusammentraf, ob die 1481 in den Bund aufgenommenen Städte Freiburg und Solothurn als Orte zu gelten hätten oder nicht. Das Ergebnis war schließlich, nachdem die Länder sich anfangs dem Verlangen Basels widersetzt hatten, doch diesem entsprechend. Bern und Luzern vornehmlich scheinen für Basel gearbeitet zu haben, und die Tagsatzung mußte erkennen, „was und wieviel gemeiner Eidgenossenschaft an dieser Stadt gelegen sei.“ Sie faßte einen Beschluß, wodurch den Städten Freiburg und Solothurn der Charakter von Orten abgesprochen, Basel dagegen als gleichberechtigtes Ort anerkannt wurde, so daß es in gemeineidgenössischen Dingen regelmäßig Sitz und Stimme auf der Tagsatzung haben und an künftigem Kriegsgewinn seinen Anteil erhalten sowie die Bundesbeschwörung gegenseitig stattfinden sollte.

So wurde Basel ein Ort der Eidgenossenschaft und zwar das neunte; die Zuteilung dieses Ranges, womit der Vortritt vor den, trotz dem gefaßten Beschluße gleichwohl die Ortsstimme ausübenden Städten Freiburg und Solothurn auf der Tagsatzung und in den Urkunden gegeben war, erfolgte ausdrücklich erst am 9. August 1501 bei Anlaß der Aufnahme Schaffhausens in den Bund.

Im Übrigen scheinen wesentliche Anstände nicht gewaltet zu haben. Am 4. Mai ordnete die Tagsatzung den Thüring Fricker und Schultheiß Bramberg von Luzern nach Basel ab, um die Sache ins Reine zu bringen, und am 19. Mai kam es hier zur Einigung durch Annahme eines Protokolls, das der nächsten Tagsatzung „zu weiterer Abrede und Beschließung“ vorgelegt werden sollte.

Wir haben zu beachten, daß Basel diese Verhandlungen führte inmitten andauernder Befeindung und Störung durch seine Gegner. Wie in den bedrohlichsten Zeiten ließ der Rat alle in den Häusern lagernden Fruchtvorräte aufnehmen. Er hatte vollauf zu tun mit den Angelegenheiten des Clewi Rentschli und der Rheinfelder Knechte; immerfort liefen neue Klagen ein über Vergewaltigung seiner Bürger. Mitten in der Landschaft, zwischen Sissach und Itingen, wurde ein Weinfuhrmann durch Österreichische niedergeschlagen und beraubt; Basler wurden in Säckingen beschimpft u. dgl. m.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 182. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/203&oldid=- (Version vom 24.10.2016)