Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/257

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von einem Trompeter und drei Pfeifern. Ihre offizielle Würde kommt deutlich zum Ausdruck: im Schwarz und Weiß ihrer Röcke; in den großen goldnen Schilden mit dem Baselstab, die sie auf der Brust tragen; in dem Prunkstück des wappengezierten kostbaren Seidenfähnleins der Trompete; in ihrer Verpflichtung gegenüber dem Rate, ohne dessen Willen sie Basel nicht verlassen dürfen. Als die Stadt Besançon 1508 bei einem Sebastiansfeste die Basler Musiker haben will, muß sie den Rat um Erlaubnis bitten. Auch die Konkurrenz will dieser nicht dulden und verbietet andern Spielleuten, den Zünften an deren Festen zu dienen. 1496 bei einem schlechten Ergebnis der Stadtrechnung wird beschlossen, die Kapelle aufzugeben; aber wie ungerne man dies tut, zeigen die wiederholten Beschlüsse, mit denen der Rat auf die Sache zurückkommt und bald Wiederanstellung bald Abschaffung will. Zuletzt entschließt er sich für Beibehaltung, und wir finden im XVI.Jahrhundert die Stadtpfeifer wie sie vordem gewesen. Auch einige Namen sind uns aus diesem muntern Kreis überliefert: Hans Drübein, Peter Zscheppelin und Herman Gugenhart die Pfeifer 1406, Paulus von Dietrichsbern der Trompeter 1396 eröffnen die Geschichte des offiziellen Musiklebens unserer Stadt.

Zuletzt der Narr. Er ist nicht Angestellter des Rates, hat keine Besoldung von der Stadt. Mit seinen Possen und seinem Dudelsack, wie ihn Jacob Sarbach am Spalentore verewigt hat, dient er Jedermann als lustige Person und lebt von Jedermann. Aber seine Verrichtungen und Verdienste sind offiziell anerkannt; er ist von Amtes wegen der Vertreter des Basler Witzes, der Stadtnarr, und trägt auf seiner Jacke die Ehrenfarben.


Die Tätigkeit des Rates wird durch die Stadtgeschichte gezeigt, so daß sie hier einer zusammenfassenden Betrachtung nicht bedarf. Nur auf Einzelnes ist aufmerksam zu machen.

Zunächst darauf, daß dies Regiment keineswegs nur ein munizipales war, sondern auch zahlreiche, im höchsten Sinne staatliche und politische Aufgaben hatte. Sodann auf das Vorherrschen der Mündlichkeit, die Erledigung vieler Geschäfte nicht durch Schreiben, sondern in persönlicher Verhandlung. Je mehr aber das Eine wie das Andre die Menge und Bedeutung der Ratsgeschäfte steigerte, um so empfindlicher war das Mißverhältnis zwischen der Natur vieler dieser Geschäfte und der Art der zu ihrer Erledigung bestimmten Behörde.

Wie das Leben republikanischer Gemeinwesen überall und zu jeder Zeit durch den Widerstreit individueller Begabung und Initiative mit dem

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 236. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/257&oldid=- (Version vom 5.7.2016)