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Verwendung gefunden hatten. Das Ganze ein Altertum und durch das Bedürfnis weit überholt. Von Bedeutung waren nur noch die bei den Straßen und über dem Birsigeinfluß sich erhebenden Türme. Neben den zwei Törlein, die bei St. Leonhard und bei St. Peter zu Überbrückungen des Grabens durchgebrochen waren, bezeichneten und schirmten sie die einzigen Öffnungen der Burgmauer. Sie alle scheinen von Stadtknechten bewohnt gewesen zu sein und Gefängnisse enthalten zu haben. Es waren: Kunostor oder Turm beim Deutschenhaus, später Bärenhaut genannt; dann das innere Eschemertor, mit einem Nebengebäude, das 1475 dem Söldner Veltin von Neuenstein zur Wohnung gegeben wurde; es folgte die umfangreiche Anlage, bestehend aus dem Wasserturm über dem Birsig, dem Eseltürmlein und dem Eseltürlein, einem Mauerdurchgang am Fuße des Hügels von St. Leonhard; weiterhin das innere Spalentor oder der Spalenturm; endlich das selten genannte innere Tor zu Kreuz.

Der ganzen Ringlinie dieser Gräben entlang, vom Kunostor bis zum innern Kreuztor, führte auf der äußern Seite schon früh eine Straße. Und dann kamen die Vorstädte.

Diese waren entstanden durch ein allmähliches Städtischwerden des offenen Landes, ein eroberndes Hinausgreifen der Stadt über ihre Grenze. Kräfte und Wünsche von beiden Seiten trafen aufeinander: der Landbewohner suchte die sichere warme Nähe der Stadt, der Städter drängte hinaus zu Luft und Licht. So wuchs Haus nach Haus aus dem bisher offen gewesenen Gelände: Gartenhäuser Keltern Scheunen Ställe, aber auch Wohnungen und Gewerbe. Anfangs in Gruppen geballt bei den alten Niederlassungen St. Alban und St. Johann, dann auch hier sich längs den zur Stadt führenden Straßen in Reihen scharend, wie dies an den großen Heerwegen des Spalentors und Äschentors geschah.

Unentbehrlich war dann eine Befestigung dieser Wohnplätze. Auch hiebei gingen die Enklaven von St. Alban und St. Johann voran; eine Ummauerung der Spalenvorstadt mit mehreren Toren wird schon am Ende des XIII. Jahrhunderts erwähnt; bei Äschen und Steinen zeigen sich Tore in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts. Aber diese Fortifikationen bestanden getrennt für unzusammenhängende Häuserhaufen; erst die zweite Hälfte des XIV. Jahrhunderts faßte diese Vielheit in Eins zusammen.

Seit 1362 sehen wir die Stadt in gewaltiger Tätigkeit für die Befestigung. Der frische Mut, der nach der ungeheuern Katastrophe des Erdbebens das gemeine Wesen erfüllte; der von einer Alles drohenden Zeit unaufhörlich erregte und zu den stärksten Anstrengungen getriebene Geist;

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/275&oldid=- (Version vom 24.10.2016)