Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/304

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Die Verwaltung dieses Brunnwesens war ein Teil der öffentlichen Geschäfte, seitdem die beiden Stifter, denen Basel die erste Herbeileitung verdankte, in den Befugnissen über diese Wasser durch den Rat abgelöst worden waren. 1316 übernahm er förmlich den Brunnen auf Burg und dessen Leitung, die wohl jetzt oder später um eine Zuleitung vom kleinen Gundeldingen her verstärkt wurde. 1317 erneuerte er die Leitung zu St. Leonhard, unter Beihilfe des Stifts, aber in der Hauptsache auf städtische Kosten; in zahlreichen Brunnstuben wurde das Wasser der Höhen hinter dem Holee gesammelt; bei Eglolfs Turm (Brunnmeisters Turm) trat die Leitung in die Stadt ein. Daß der Rat später überall völliger Herr war, beweist seine Verfügung z. B. über das Abwasser des Münster Platzbrunnens und 1446 seine Kassierung des Brunnens zu St. Leonhard als Strafe einer Steuerverweigerung sowie 1456 sein Vertrag mit diesem Stift, der die Leitung bis zur Grenze des Stiftshofs ausdrücklich als städtische Sache erklärte.

Wie im Einzelnen die Leitungsnetze geführt wurden, dann allmählich wuchsen, ersehen wir nicht. Erst die großen Pläne des XVI. Jahrhunderts lassen uns den Lauf der beiden Werke verfolgen vom Quellgebiete bis zur letzten Ausflußröhre. Bei jedem der beiden Werke zählen wir fünfzehn öffentliche Brunnen, neben ihnen beim Münsterwerk elf, beim Spalenwerk zwölf private Brunnen. Eine Zusammenstellung der 1440er Jahre nennt vierzig öffentliche Brunnen, wobei die Quellbrunnen des Birsigtals mitgezählt sind, und zweiundzwanzig Brunnen in Klöstern, im Spital und in Privathäusern.

Der städtische Beamte, dem dieser ganze Geschäftskreis unterstand, war der Brunnmeister; er hatte seine Amtswohnung in einem Stadtmauerturm bei Spalen (Eglolfs Turm), neben dem die Leitung in die Stadt eintrat.

In derselben Gegend lag draußen der vom Dorenbach gespeiste Teuchelweiher (später Schützenmattenweiher genannt und 1873 aufgefüllt): wohl derselbe, der schon dem Leonhardsstift zur Lagerung der Brunnteuchel (hölzernen Röhren) gedient hatte, und der neben dieser Hauptbestimmung dem Rate auch zur Fischzucht diente.

Sein Gegenstück war das Teuchelhaus, zu St. Alban im Schindelhof am Teich gelegen. Der Rat erwarb diese Liegenschaft 1388. Hier wurden die Baumstämme zu Teucheln gebohrt, die Basel in den Wäldern der Propstei Münster zu fällen das Recht hatte und auf Birs und Teich hereinflößte.

Nicht nur die Leitungsröhren, auch die Brunntröge und Brunnstöcke waren hölzern, wie die auszeichnenden Meldungen der Chronisten vom Aufstellen steinerner Brunnen und mit aller Deutlichkeit die Brunnwerkplänes selbst zeigen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 283. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/304&oldid=- (Version vom 24.10.2016)