Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/372

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Drittes Kapitel.
Die Einwohnerschaft.



Was jetzt vor uns tritt, ist die städtische Bevölkerung, die diese Geschichte erlebt, diesen Behörden untertan ist und zugleich sie erschafft formt und beeinflußt.

Gegen außen zeigt sie das Bild einer einheitlichen geschlossenen Masse. Sie ist die Trägerin des Namens Basel, Vertreterin des großen berühmten Stadtwesens am Oberrhein. Dabei gering an Umfang. Um die Mitte der 1440er Jahre, bei Anwesenheit zahlreicher Flüchtlinge aus der Umgegend, zählte sie nicht mehr als etwa fünfzehntausend Personen.

Den Zugang zu diesem Verbande gab das Alter der öffentlich rechtlichen Mündigkeit, das mit vierzehn Jahren eintrat. Während in Zivilsachen das zwanzigste Lebensjahr handlungsfähig machte, wurde der Basler mit vierzehn Jahren wehrpflichtig steuerpflichtig und politisch berechtigt.

An dieser Bevölkerung auffallend ist der Wechsel ihres Bestandes, eine unaufhörliche Erneuung. In einem für uns kaum glaublichen Maße geht sie unter in Kriegen und Fehden, in häufigen Epidemien, in einer konstanten starken Kindersterblichkeit. Aber dieser Vernichtung antwortet immer wieder ein Ersatz. Vom Tode gelöste Ehen werden rasch und wiederholt durch neue Verbindungen der Überlebenden ersetzt, die Kindersterblichkeit begleitet einen außerordentlich großen Kinderreichtum. Es ist auch die Zeit allgemeiner Wanderbewegung. Die Zeit wiederum, die alle paar Jahrzehnte Masseneintritte ganzer Dorfschaften und Ämter brachte, aus denen nach Aufhören der Gefahr Viele wieder heimkehrten. Manche aber auch hier sitzen blieben. Dazu die normale dauernde Zuwanderung aus dem Sundgau, aus der rechtsrheinischen Nachbarschaft und dem Juragebiete, dann aus Schwaben, seltener aus dem Norden, ganz vereinzelt aus Frankreich und Italien. Von hohem Interesse ist dabei das Einwachsen dieses beständig Neuen in das Vorhandene und Angesessene, ist die Kraft mit der die Stadt

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 351. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/372&oldid=- (Version vom 10.11.2016)