Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/45

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

weitherum redete man von seinen Aspirationen nach der römischen Königskrone, und hinter seiner glänzenden Erscheinung stand für Basel allezeit, auch jetzt wieder, das Gespenst politischer Pläne. Im Februar 1454 erst hatten Herzog Philipps Beamte mit ihren österreichischen Nachbarn im Sundgau einen Vertrag geschlossen, der doch im Grunde nichts anderes war, als ein Bezeugen der burgundischen Ansprüche an die Grafschaft Pfirt, und Ende Septembers erscholl schon wieder das Gerücht, daß in Burgund ein Heer sich sammle, um in das Elsaß einzufallen.


Sodann die Reichsangelegenheiten. Feierlich steht an der Schwelle dieser Dinge die Beteiligung Basels bei Friedrichs Kaiserkrönung. Diesmal hatte sich die Stadt zur tatsächlichen Leistung des Dienstes über Berg entschlossen, ihre herkömmliche Pflicht nicht wie in früheren Fällen abgekauft. Nicht, um bei dieser Gelegenheit als Freistadt des Reiches zu paradieren, sondern um nach all den Wirrungen der Konzilszeit ihr gutes Einvernehmen mit der Kurie in persönlicher Aussprache zu erwahren.

Basel rüstete vierunddreißig Reisige aus, deren Hauptmann des Bischofs Bruder, Ritter Bernhard von Rotberg, war; am 10. November 1451 ritten sie aus Basel, nachdem sie dem Rate versprochen hatten, allenthalben und in Allem, in Gespräch und Benehmen, sich der Stadt Ehre angelegen sein zu lassen; am 1. Juni 1452 kehrten sie wieder heim. Viele von ihnen, auch die Achtburger Bernhard Sürlin und Bernhard von Efringen, mit der neuen Ritterwürde, die sie am Tage der Krönung, 19. März, auf der Engelsbrücke zu Rom von Friedrich empfangen hatten. Auch brachten sie die kaiserliche Bestätigung der Stadtfreiheiten mit, und überdies konnte Rotberg die Audienz bei Papst Nikolaus schildern, der die Basler seiner Huld versichert und ihre Frömmigkeit gelobt hatte.

Aber was die Herren vom Kaiser zu erzählen wußten, lautete übel. Sie hatten allenthalben über ihn spotten hören; zaudernd kleinlich hatte er sich nirgends als Kaiser und Herrn gegeben. Auch jene Szene am Hochaltar zu St. Peter war ihnen unvergeßlich, da nach vollbrachter Krönung Papst Nikolaus den das Schwert nur langsam und träge ziehenden Friedrich zornig angeschrieen hatte: „Herr Kaiser, schüttelt das Schwert wider die Feinde der Kirche!“, aber der Kaiser hatte es nicht getan.

Dieser Vorfall war eine römische Wiederholung des Schauspiels gewesen, das zu Hause auf allen Reichstagen zu sehen war. Nicht daß es an gemeinsamen Interessen größter Art gefehlt hätte; aber neben dem stürmischen Gebahren des landesfürstlichen Partikularismus fanden sie keine

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/45&oldid=- (Version vom 1.8.2018)