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So wenig Korn Holz Eisen der Stadt ausgehen durften, so wenig das Salz. Daher die stete Fürsorge des Rates und in gefährlichen Zeiten außerordentliche Maßregeln wie Ausfuhrverbote.

Auch in der Geschichte der Salzversorgung steht zu Beginn die Bischofsgewalt. Der Bischof hatte die Aufsicht; er wählte durch sein Müttamt die das Ausmessen des Salzes besorgenden Mütter und ließ deren Geschirre durch seinen Zollmeister revidieren; wahrscheinlich hielt er selbst einen Salzvorrat für den allgemeinen Bedarf. Aber der Großhandel mit Salz stand Jedermann frei, während der Kleinhandel Sache der Gremper war. Das Salz wurde vom Niederrhein (kölnisches Salz) und von Reichenhall in Bayern (schwäbisches Salz) bezogen und lagerte im Salzhaus am Rhein sowie in den nahen Salzkästen der Händler, am Fuße des Salzberges, an der Salzgasse (Schwanengasse).

Aber wie in allen Markt- und Verkehrsdingen meldet sich auch hier schon frühe der Rat, der Vertreter der Gemeindeinteressen. Die bisherige Freiheit des Privatgeschäfts mit ihren wirklichen oder vermeintlichen Mängeln will er durch obrigkeitliche Fürsorge ersetzen; als bestes Mittel gegen Salzteuerung, als dienlichste Form der städtischen Salzversorgung erscheint ihm das Monopol.

Schon 1317 besteht daher sein Gesetz, das den Salzverkauf ausschließlich ihm oder den von ihm Beauftragten gestattet. Diese sind auch jetzt wieder die Gremper oder andre Kleinhändler. Das Domkapitel opponiert. Aber fünfzig Jahre später finden wir denselben Zustand, dem gegenüber das Hochstift wieder nur Protest erheben kann. Der Rat hat auch die Mütter in seiner Gewalt; sie müssen ihm ihren Amtseid leisten. Tatsächlich übt er das Monopol, beherrscht er das Salzhaus, bucht er dessen Ertrag in seinen jährlichen Rechnungen. So ist es schließlich nur eine formelle Vollendung, daß er 1373 bei Erwerb der bischöflichen Zölle auch das Müttamt an sich bringt sowie das Recht, von den fremden Salzhändlern Zoll und Gebühr zu ziehen. Seitdem haben wir es nur mit städtischer Salzverwaltung zu tun.

In dieser ist aller Großhandel mit Salz konzentriert, dem Rate vorbehalten. Der Salzmeister, der unter Leitung der Salzherren das Salzhaus besorgt, kauft und verkauft Salz. Er kauft von den fremden Händlern die auf dem Rhein oder der Achse kommenden Salze aus Bayern Lothringen usw.; er verkauft an die Gremper zum Vertrieb im Kleinen und an einzelne Private. Alles nur im Großen, in Fässern oder Scheiben. Die Gremper ihrerseits dürfen keine größern Quantitäten als einen Sester verkaufen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 453. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/474&oldid=- (Version vom 10.11.2016)