Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/485

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und Verlusten, am umfassendsten bezeugt. Eine beständige Lehre, ein täglicher Anreiz für Künstler und Gläubige mußte das Schauen dieses allverbreiteten Schmuckes von Altären und Gewändern, der in jeder Prozession funkelnden heiligen Geräte sein.

Daneben sind jedenfalls einzelne Anregungen stärkster Art von den Depositen und Pfändern ausgegangen, die wiederholt aus fürstlichem Besitz nach Basel kamen und hier den angesessenen Goldschmieden gewiß nicht unsichtbar blieben. Sie boten die erlesensten Modelle und konnten auch einem bürgerlichen Liebhaber und Besteller Ideen geben. Gerne vergegenwärtigen wir uns diese reichen Kleinodienschätze, die z. B. 1434 durch Kaiser Sigmund, 1436 durch Konrad von Weinsberg hier versetzt wurden; nicht an Umfang, aber gewiß an Kunstwert und Pracht ihnen überlegen waren die Zierden der Herzogin Katharina, durch ihren Bruder Herzog Philipp von Burgund beim Basler Rate hinterlegt d. h. wohl vor Herzog Friedrich von Österreich in Sicherheit gebracht; es fanden sich da ausgezeichnete Schmuckstücke der Frauentracht: goldene mit Rubinen Saphiren Diamanten oder mit Figuren (einer Sirene, einem Einsiedel und Engel, einem Distelzwiglin, dem Lämmlein des goldenen Vließes usw.) gezierte Spangen; eine Krone; ein goldenes Wasserkännlein mit Herzog Philipps Wappen, Schäflein u. dgl.; ein Halsband; ein Perlenrock usw.

Welche Impulse müssen sodann von jener ungeheuren Anhäufung fremdartigen und mannigfaltigsten Schmuckes ausgegangen sein, den Basel während der Konzilsjahre zu sehen bekam! Und was diesem Schauspiel mit noch größerer Gewalt und einer nach allen Seiten strömenden Wirkung folgte, war wiederum Burgund, in der Beute Herzog Karls.

Überhaupt aber und von allen einzelnen Erlebnissen abgesehen war die Gold- und Silberschmiedearbeit die Kunst der Kaufmannswelt und als solche ohne weiteres für Basel ein Lebensbedürfnis. Wir haben dabei nicht nur an reichgearbeitete und höchst wertvolle Stücke zu denken. Gerade die so große Zahl der Goldschmiedewerkstätten beweist, daß sie der ganzen Stadt, auch dem einfachen Geschmack und Vermögen zu dienen hatten. Was aber bei solcher Gesinnung oder Mode zustande kommen konnte, zeigt die Schatzkammer zu St. Andreas, die durch die reichen Krämer gefüllt wurde; in ihrem Prunke von Gold Silber Alabaster usw. macht sie einen fast venezianischen Eindruck. Daneben stehen vor unsern Augen die Tische und Kredenzen der von der Stadt gegebenen Feste, wie sie Gatari schildert, vollbesetzt mit Schüsseln und Platten, Bechern Salzfässern Konfektschalen Becken, Alles Silber und Gold und „von wunderbarer Schönheit“. Der

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 464. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/485&oldid=- (Version vom 10.11.2016)