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mannigfaltigste Reichtum wird uns schon frühe im XV. Jahrhundert vorgewiesen durch Inventare der Zünfte und privater Haushalte. Dort mochten Eitelkeit und wachsende Prachtliebe mitspielen; hier aber handelt es sich wesentlich um Bedürfnis oder doch um anerkannte Lebensart, wobei alle Möglichkeiten und Maße sich zeigen von den durch Enea Silvio gerühmten Tischgeräten des Bürgerhauses bis zur Kette, zum Gürtel, zum Anhänger und Ring, zum Buchbeschlag, zum flimmernden klingenden Schmucke der Festtracht.

Unter solchen Verhältnissen blühte das Gewerbe.

Die Goldschmiede standen seit Alters mit den Wechslern zusammen in der Hausgenossenzunft. Sie hatten wie Jene das Recht der Silberwage (doch nur bis zu vier Mark) und im Münzverkehr bestimmte eidliche Pflichten. Nur fremde Münzen durften sie „abtun“ und brennen, von den in Basel Kurs habenden nur Kronen und Dukaten, wenn sie ihrer zum Vergolden bedurften. Sie mußten ferner geloben, keine verdächtigen Formen zu Siegeln oder Anderm zu machen, auch nicht Messing oder Kupfer zu vergolden außer für Kirchengeräte und Sattelzierden.

Aus der Menge der hier angesessenen und hier ausgebildeten Goldschmiede sehen wir Einzelne sich anderwärts einbürgern, so in Wien 1370 den Peter von Basel, in Zürich 1417 den Hans Flötzer und 1481 den Balthasar Hechinger. Aber viel bedeutender ist die Einwanderung.

Die offenbar gute Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst, die Basel bietet, wird ununterbrochen aufgesucht durch Goldschmiede namentlich Schwabens und Frankens, die in jenen produktiven Gebieten aufkommen aber keine Nahrung finden. Sie wandern nach Basel aus Augsburg Nürnberg Konstanz Memmingen Rotenburg Eßlingen Ulm usw. Nur das Konzil bringt fremde Gestalten in diese süddeutsche Landsmannschaft: den Lucchesen Peter von Kortys, den Brabänter Bartholome Golin, den Pariser Peter von Plovis der auch plumbator des Konzils ist und den der Dauphin seinen valet de chambre nennt.

In solcher Weise rekrutiert sich das Basler Goldschmiedegewerbe, reihen sich vor unsern Augen die langen Namenlisten. Im Zeitraume zwischen 1340 und 1530 zählen wir über hundertzwanzig in Basel arbeitende Meister.

Aus dieser Masse sondern sich einzelne Goldschmiedefamilien, in denen die Kunst weitererbt; so in der ältern Zeit die Fricker Napf Eberli Flötzer, später durch drei Generationen die Schwitzer, dann die Rutenzwig, die Knopf Schongauer Nachbur Angelrot. Auch die Goldschmiedehäuser fügen Gruppen zusammen, indem Haus Werkstatt Laden Kundsame von einem Meister an

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 465. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/486&oldid=- (Version vom 10.11.2016)