Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/487

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den andern übergehen, entweder durch Kauf oder als Zugebrachtes der Witwe, die wieder das Handwerk freit; das sind die Goldschmiedehäuser beim Fischmarkt, unter ihnen das Haus zum Tanz an der Eisengasse, ausgezeichnet durch den von Holbein ihm gegebenen Schmuck und seit 1487 Wohnung des Jörg Schongauer, seit 1494 des Hans Nachbur, dann des Balthasar Angelrot, die alle drei zu den ersten Basler Goldschmieden ihrer Zeit gehören; das Haus zum Bild am Kornmarkt, das ein volles Jahrhundert hindurch im Besitze von Goldschmieden (1360 Cunz Napf, 1386 Hans und Berthold Eberli, 1452 Hans Phuost, 1476 Jost Spalt) ist, u. s. f.

Im Übrigen vermögen wir Einzelne kaum zu sondern und zu charakterisieren. Wir sehen uns einer Masse und dem durch sie repräsentierten prächtigen Ganzen gegenüber und bemerken nur nebenbei, daß als Lieferanten des Rates (für Botenbüchsen, Pfeifer- und Sprecherschilde, Ehrengeschenke usw.) meist die Schwitzer, später Heinrich Schach, im XVI. Jahrhundert Balthasar Angelrot arbeiten, während die Bischöfe Friedrich und Arnold den Heinrich Schwitzer, Johann von Venningen den Hans Phuost, dann den Jost Spalt bevorzugen. Bestimmt nachweisbare Schöpfungen Einzelner sind nur wenige zu nennen: 1477 eine von Hans Rutenzwig für Pruntrut gefertigte Monstranz; 1506 eine Monstranz für Großwangen von Simon Nachbur; 1608 eine Monstranz für Laufen von Andreas Rutenzwig; 1510 ein Kelch für Courtemaîche (?) bei Pruntrut von Jörg Schweiger; 1516 eine Monstranz für Sachseln von Caspar Angelrot; vor 1520 ein Kreuz für Mömpelgard von Balthasar Angelrot. Es sind durchweg Arbeiten nach auswärts und an Behörden; verschwindend dürftig dem unbekannten Unzähligen gegenüber, das an Private und in Basel selbst geliefert worden sein muß.

Von Georg Schongauer, dem Bruder Martins, wissen wir wenig mehr als Äußerliches: Käufe und Verkäufe von Liegenschaften, Rechtshändel u. dgl. Er scheint ein vielbeschäftigter Goldschmied gewesen zu sein, seine Geschicklichkeit wird noch spät durch Beatus Rhenanus gefeiert, und er darf vielleicht als Lehrer des jungen Albrecht Dürer in Basel gelten.

Anderes würde über Balthasar Hütschi zu sagen sein, der 1474 wegen arger Münzbetrügereien zur Verantwortung gezogen wurde. Er betrieb neben dem Goldschmieden das Wechslergeschäft, war auch Wardein der Reichsgoldmünze in Basel. Eine Kombination verwandter Berufe, die auch sonst sich findet, bei Heinrich Zscheckabürlin, Hans von Öringen, Ludwig Gesell, Cristan Knopf.

Ähnlich darf die Spezialität des Stempelschnitts für Siegel als ein Nebengeschäft der meisten Goldschmiede gelten. Von Hütschin kennen wir

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 466. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/487&oldid=2955198 (Version vom 20.11.2016)