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sein eigenes, höchst elegantes Siegel, dessen Schnitt wir als sein Werk betrachten dürfen. So fertigt 1483 Heinrich Schach dem Junker Heinrich von Schönau, 1463 der Goldschmied Hans dem Rate von Solothurn ein neues Siegel usw.; Jörg Schweiger sodann schneidet 1533 die Münzstempel für den Rappenbund. Der Beachtung wert aber ist in dem Siegel Hütschins, in dem ihm verwandten Siegel Ulrich Meltingers u. A. eine neue Art von Schönheit, eine zweite Blüte dieser Kleinkunst nach der früheren Glanzepoche des XIII. Jahrhunderts, der wir die prachtvollen Siegel Gabler, ze Rin, Münch u. A. verdankten.

Neben dem Funkeln dieser Goldschmiedwerke geht schon früh auch der zauberische Schimmer der Glasmalerei auf. Von Glasmalern freilich ist erst später die Rede, anfangs nur von Glasern schlechthin. Aber wir dürfen diese solange wie Glasmaler gelten lassen, als das farblose Glas noch kaum gebraucht wurde und jedes Glasfenster ein Bild oder doch Farben zeigte. Verglasung der Fensteröffnungen war überhaupt eine Seltenheit, und noch im XV. Jahrhundert hatte sogar das Basler Rathaus zum Teil nur Fensterverschlüsse aus Tuch. Bei solcher Bedeutung des Glasergewerbes verstehen wir, daß gelegentlich auch Maler sich mit Glasen abgeben konnten; so Menlin, der 1373 im Auftrage des Rates ein Glasfenster für die Augustiner machte, und der Basler Maler Herman, der zu Beginn des XV.. Jahrhunderts Glasgemälde des Straßburger Münsters restaurierte. Glasen oder Glasmalen war eine einzige Fertigkeit, bei der die Technik von Zubereiten Bleien und Einsetzen in derselben Hand lag mit dem Künstlerischen der Bildform.

Als Glasmaler dieser Art finden wir im Basel des XIV. Jahrhunderts einen Johann von Winterthur, einen Peterman Murer. Wenige Namen aus einer größern Reihe. So sind auch nur vereinzelte Werke von Glasmalerei selbst zu nennen: neben dem schon erwähnten Fenster der Augustinerkirche eines im Spital über einem Bruderschaftsbett, sodann im Münster die noch erhaltenen Wappen Johanns von Vienne und die von Wurstisen gesehenen Scheiben Johann Senns von Münsingen sowie der Geschlechter Schaler Gösgen und Fröwler. Das Gewerbe war damals kaum schon so stark vertreten wie dasjenige der Goldschmiede, aber doch zahlreich genug, um schon bei Zeiten zünftig organisiert zu werden. Außerdem sind wir versucht, an eine frühe hohe Blüte der Basler Glasmalerei zu glauben angesichts des ausgedehnten und prachtvollen Glasgemäldebesitzes der Karthause schon in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens. Die großen

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 467. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/488&oldid=- (Version vom 20.11.2016)