Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/494

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darstellten oder als frei erfundene Szenen selbst erst dem Hause zu einem Namen verhalfen; jedenfalls schufen sie über dem lauten und bewegten Treiben der Gasse eine zweite lebendige Existenz und bestimmten in ihrer die langen Häuserreihen begleitenden Pracht und Munterkeit, im farbigen Kontrast zum Weiß des Verputzes die Physiognomie der Stadt.

Die Betrachtung der alten Basler Malerei wird als historische Erscheinung von höchster Wichtigkeit nie übersehen können, daß diese Kunstübung unaufhörlich durch Kräfte von außen her bewegt und erregt, wiederholt in neue Bahnen gelenkt wurde. Von einheimischer Basler Kunst ist nur zeitweise zu reden. Nach den nicht deutlichen Zuständen des XIV. Jahrhunderts zeigt der Vertrag über Ausmalung der Elendenkreuzkapelle 1418 die damals in Basel überhaupt nachweisbare wälsche Influenz; es folgen noch stärkere Antriebe der flandrischen Kunst, der Einfluß des nahen Martin Schongauer usf. In diesem Verlaufe stehen als gewaltige Erschütterungen, während einiger Jahrzehnte eine Basler Kunst schaffend, die Konzilszeit mit Konrad Witz, die Erasmische Zeit mit Hans Holbein.


Die Wirtschaftsordnung galt ebensowohl der Arbeit als dem Vertriebe des Gearbeiteten; sie herrschte in der Werkstatt und auf dem Markte.

Wir lesen die Ordnungen, die Verbote und Eide und finden, daß ihre große Mehrzahl uns ein System zeigt, auf Zustände eingerichtet, bei denen die Stadt sich selbst genügte, Zustände ohne größern Güterumlauf, fast ohne Beziehung auf die weite Erde außerhalb der Stadtmauern. Seine Voraussetzung war, daß das eigene Vermögen und der eigene Bedarf sich deckten, und die Umstände mochten solches Streben nach Unabhängigkeit und Geschlossenheit allerdings unterstützen. Draußen tobte fast ohne Ende der Krieg und ließ keine Straße im Frieden; man suchte sich daher die Stadtwelt so komplett und gegenseitig ersprießlich als möglich zu machen.

Aber wenn dies Prinzip war, so galt es nicht allenthalben in gleicher Stärke, in Basel anders als z. B. in Rheinfelden, und galt jedenfalls nur, soweit die Möglichkeit ging. Das tausendfältige Bedürfnis, der Eigennutz, der bewegliche und erfinderische Geist, überhaupt alle unendlichen Lebensformen standen einer gedachten Planmäßigkeit und Straffheit entgegen.

Daß das System kein geschlossenes war, zeigt z. B. der anerkannte Viktualienhandel der Gremper; daß er sich anpassen mußte, zeigen alle die Verhältnisse, für die das Institut der Mehrzünftigkeit als legitime Form gefunden wurde. Wenn Nichts den Handwerker hinderte, für den Fernabsatz zu arbeiten, so war der Schritt vom direkten Verkehr zum indirekten sehr

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 473. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/494&oldid=- (Version vom 20.11.2016)