Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/501

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

5. Nicht nur Durchgangs- und Importgut wurde im Kaufhause gelagert. Auch der Basler Export kam herein, um hier wegen allfälliger Zollansprüche revidiert, sodann gebunden und geladen zu werden; er konnte nur mit dem Wortzeichen des Kaufhauses die Stadttore passieren.

Beamte des Kaufhauses waren der Schreiber, die Zoller und die Unterkäufer, der Wagmeister, die Knechte Packer Spetter. Über diesen Allen standen die beiden Kaufhausherren, ausgezeichnet durch die ihnen zustehende Gerichtsbarkeit über Verstöße gegen die Kaufhausordnung und über die im Kaufhausverkehr entstandenen Schulden.

Es fällt uns schwer, die ganze Fülle und Macht dieser Verkehrskonzentration durchzudenken, uns gegenwärtig zu machen. Neben die zahllosen Einzelheiten und Kleinigkeiten, die den Umsatz der Werkstätten Kaufläden Marktstände bildeten, trat hier der Handel mit großen Lasten und Quanten. Je stärker der Verkehr war, um so gedrängter das Leben in diesem gewaltigen Warenspeicher mit seinen Höfen und Hallen und Schreibstuben, wo die Kaufleute, die Fuhrleute, die Gütermassen, die Ballen Karren Wagen zusammentrafen; auch private Kontore und Verkaufsstände finden wir im Hause und später das Gewölbe des Stadtwechsels, der neben dem Warenverkehr nun auch den Geld- und Zahlungsverkehr hier konzentrierte. Auch der Sitz der Mahlkontrolle und der Bezug des Mühleungeldes waren im Kaufhause. Bei so starker Häufung wichtigster Dinge, bei so weitem und unausgesetztem Verkehr ist begreiflich, daß im Kaufhaus ein höherer Friede herrschte, Friedbrüche schärfer bestraft wurden als anderwärts, sowie daß seine Tore gleich den Türen des Rathauses und der Kirchen zum Anschlag öffentlicher Erlasse dienten. Das Kaufhaus erscheint uns in der Tat wie eine notwendige Öffnung im Abschlusse der Stadtwirtschaft; es war für Basel eine breite Brücke zu aller Welt, für die Fremden der Basler Markt. Auf seltsame Weise eingepreßt in die Enge der Stadt, mit den schmalen gewundenen Zufahrten von Rheinbrücke und Toren her, stellte es sich dar als das wirtschaftliche Zentrum neben dem politischen des Rathauses, als der Ort in dem alle menschliche Tüchtigkeit, die mannigfaltigste Arbeit, geistige und reale Mittel sich vereinigten, zwischen Basel und der Ferne ausgetauscht wurden.


An Märkte und Kaufhaus reihen sich die Messen, die während einiger Wochen des Jahres die Herrschaft voller Verkehrsfreiheit brachten. An einen Wettbewerb im Großen war dabei gedacht, an eine internationale Bedeutung weit über die Funktion der alten Jahrmärkte des Domstifts und der

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 480. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/501&oldid=- (Version vom 20.11.2016)