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Johanniter hinaus. Basels einzigartige Lage sollte mit Hilfe der Meßfreiheiten die Stadt zeitweise zum Weltmarkte machen.

Was zu dieser Veranstaltung trieb, war die wirtschaftliche Krisis nach dem Konzil. Ähnliche Zustände hatte Basel schon in den 1420er Jahren erlebt; man klagte über die Verödung des Kaufhauses, und suchte sich zu helfen durch Besteuerung der einheimischen Kaufleute auf ihren Export. Zum Mittel der Messe nach dem Beispiel, das damals Städte wie Konstanz Ulm Nürnberg gaben, griff man nicht.

Aber schon während des Konzils scheint sich der Rat mit dem Gedanken eines Jahrmarktes beschäftigt zu haben. 1459 sodann gab er seiner Gesandtschaft zum Kongreß in Mantua die bestimmte Instruktion, dem Papste zugleich mit der Bewerbung um eine Universität auch das Begehren vorzulegen, daß er beim Kaiser die Bewilligung einer Jahrmesse an Basel erwirke. Pius willfahrte, indem er den Baslern ein Schreiben an Kaiser Friedrich zustellte. Aber dieses kam nie an seine Adresse. Der Rat behielt es zurück, aus uns nicht bekannten Gründen; vielleicht handelte er so der Fehden mit Mey, der Balmoserin usw. und vor Allem mit Oswald von Tierstein wegen, die den Besuch von Messen in Basel erschwert haben würden. Erst ein volles Jahrzehnt später entschloß sich Basel dazu, die Sache einzuleiten. 1471 erhielt sein Gesandter zum großen Regensburger Reichstag, Hans von Bärenfels, den Auftrag, den Kaiser um zwei jährliche Messen zu bitten. Der Gesandte hatte Erfolg; am 11. Juli 1471 erteilte Friedrich das wichtige Privileg, wodurch der Stadt zwei Jahrmessen, die eine jeweilen vierzehn Tage vor Pfingsten, die andre vierzehn Tage vor Martini, bewilligt wurden; Alle, die mit Kaufmannschaft Hantierung und Gewerb zu und von diesen Messen ziehen würden, sollten desselben Geleites Schirmes und Rechtes genießen wie die Besucher der Messen zu Frankfurt und Nördlingen; im Einzelnen wurde der Stadt Basel auch für die Jahrmarktszeiten ausdrücklich ihr Recht bestätigt, Ächter hausen zu dürfen.

Der Rat bestellte sofort eine Kommission zur Besorgung dieses neuen Geschäftes; er ließ auch durch Verbreitung der kaiserlichen Urkunde Reklame machen; rings im Lande, aber auch in Genf usw. wurden solche Kopien und Übersetzungen angeheftet; am 26. Oktober 1471 verkündete ein großer Ruf in den Kornmarkt die Eröffnung der ersten Basler Messe.

Zahlreiche einzelne Anordnungen machen uns das Meßwesen nicht nur des Anfangs, sondern auch der folgenden Jahre anschaulich. Vor Allem die Sorge für die Sicherheit der Stadt: während der Messen erhielt die gewöhnliche Scharwache Verstärkungen durch Zuwache, reitende Wache und

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 481. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/502&oldid=- (Version vom 20.11.2016)