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Die Gewandschneider endlich, zum Schlüssel zünftig, waren die Importeure der fremden feinen Tuche.

In diesen Zustand der Dinge kamen Bewegungen und Verschiebungen von Seite der rührigen Krämer. Zunächst dadurch, daß sie billige Wolltuche aus dem Elsaß auf den Basler Markt brachten und dem hier gewobenen und gewalkten Tuch, das die Grautücher feilboten, Konkurrenz machten. Es war eine Frage des Freihandels, und von hohem Interesse ist es, daß hiebei die Krämer den Rat auf ihre Seite brachten. Indem dieser 1364 den freien Import der Elsässer Tuche gestattete, wurde der allmähliche Untergang des Grautüchergewerbes vorbereitet.

Sodann die gegen Ende des XIV. Jahrhunderts aufkommende Schürlitzweberei (leinener Zettel mit baumwollenem Einschlag). Hier scheinen die Krämer anfangs die Besteller und Abnehmer gewesen zu sein. Sie kauften den Rohstoff, ließen ihn von den Webern zu Schürlitz verarbeiten und brachten diesen in den Handel. Nicht daß die Schürlitzfabrikation als neues ausschließliches Gewerbe zur Weberzunft hinzutrat; sondern „Leinenwerk und Schürlitzwerk gingen in ein und demselben Betriebe Hand in Hand“. Aber diese Abhängigkeit und Vermischung waren nur der Beginn einer Entwickelung. Das neue Gewerbe wurde zu einer der wichtigsten und lebendigsten Industrieen Basels im XV. Jahrhundert. Es führte die Weber zur eigenen Produktion für den Markt, so daß sie nun selbst ihre Baumwolle kauften und auf Vorrat oder Bestellung Schürlitz woben. In diesem Zusammenhange verstehen wir das Verbot ihrer Zunft an die Genossen, einem Krämer Schneider oder sonst einem Händler zu arbeiten, sowie das andere Verbot, Eigenwerk und Lohnwerk zugleich zu treiben.

Endlich sehen wir die Krämer auch in den Machtbereich der Gewandschneider übergreifen. Sie begannen wertvolle fremde Tuche einzuführen und im Schnittverkauf zu vertreiben. Nach längerm Kampfe kamen sie auch hiebei, wenn nicht zum Sieg, so doch zu einem brauchbaren Ergebnis: ein Vergleich von 1432 gab den Krämern das ausschließliche Recht auf alle billigen Wolltuche und ließ den Gewandschneidern das Monopol der teuern Tuche.

Der weitere Gang der Weberei ist nur anzudeuten: die Ausbildung der Schürlitzindustrie zur Produktion eines feinern Barchents, des Vogelschürlitzes, um die Mitte des XV. Jahrhunderts; dann am Ende des Jahrhunderts das neue Emporkommen der Wollweberei durch das Mittel der Herstellung feinerer Tuche.


Basel war wohl schon frühe Sitz eines starken Tuchhandels. Mit einheimischem Tuche handelten die Grautücher, mit fremdem die Gewandschneider.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 497. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/518&oldid=2955229 (Version vom 20.11.2016)