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sich als Gefährte der Barbara ein Johann zum Wiger und fordert von Bacharach aus den Basler Rat zur Auslieferung des Erbes auf. Basel will nun den Pfalzgrafen als Herrn Bacharachs gegen die Querulanten in Bewegung bringen; aber unterdessen erläßt der Velgesteiner Freigraf den Verruf gegen Basel. Frankfurt Worms Speyer Straßburg Schlettstadt Nürnberg Colmar usw. erhalten von ihm Briefe, in denen er die Basler als Verächter des Rechts erklärt und jedermann verbietet, ihnen und ihrem Gute Sicherheit zu geben, sie zu hausen, zu speisen usw. Alle diese Städte verständigen sofort Basel von dem Erlasse und bitten, auf der Hut zu sein. „Es wäre uns leid, wenn die Euern wegen dieser Sache bei uns angefallen oder bekümmert würden“, schreibt jede in der besten Absicht, wie sie beteuert. Aber nirgends regt sich ein Widerstand gegen die Macht der Fehme; jede Stadt kennt sie aus eigener Erfahrung, und so kommt der Freigraf zur gewünschten Wirkung.

Und nun kombiniert sich mit diesem Handel auf bemerkenswerte Weise ein andrer. Es ist der durch Luzern, namens einiger Städte im Aargau, mit straßburgischen Gläubigern geführte Streit, der zurückgeht auf die Verpfändung der Vogtsteuern jener Städte durch Herzog Leopold von Österreich an den Straßburger Heinrich von Müllheim 1315 und seine Ursache hat in der Säumigkeit der Schuldner bei Zahlung der Zinsen.

Schon frühe sehen wir Basel um die Beilegung dieser Streitigkeiten sich bemühen; seit Mitte der 1450er Jahre nimmt es sich der Sache von neuem an, aber ohne Erfolg. Die Straßburger Gläubiger schicken nach Luzern die Absage, und Luzern erklärt alle Straßburger als offene Feinde; der Streit läßt sich zu einem Landkrieg an. Im Vordergrund stehen hiebei für uns die Herren des am Eingang des Albrechtstales, westlich von Schlettstadt, gelegenen starken Schlosses Ortenberg, das den Baslern vor kurzem in der Ansolzheimer Fehde wieder bekannt geworden war. Das sind die „Gemeinder von Ortenberg“, Hans Burchard von Müllheim und Heinrich von Landsberg, ferner Dietrich von Ratsamhausen, Niclaus Zorn, Berthold von Wilsberg, namentlich aber Heinrich Mey von Lampsen. Der Letztere vertritt deutlich die Klasse, die damals die Plage des Landes war. Ein im Waffenhandwerk emporgekommener roher Abenteurer, vielleicht Sohn des Hans Mey, der 1448 den Baslern als Söldner gedient hatte, sitzt er jetzt auf Schloß Ortenberg und treibt von da aus seine dreisten Räubereien; mit den Hohensteinern auf der nahen Hohkönigsburg ist er versippt; zu den Gläubigern der Argauer Städte gehört er, da er von seiner Frau Barbara von Ratsamhausen her im Besitz einer solchen Forderung ist.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 31. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/52&oldid=- (Version vom 1.8.2018)