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darin, daß der Import stets neue Bedürfnisse weckte, denen zu Liebe neue lokale Produktionen entstanden. Aber auf der andern Seite konnte solche Produktion den Durchgang zum Export bilden, und das Entscheidende war, ob die ortsansässige Erzeugung sich nicht mehr am lokalen Markte begnügte, sondern zur Ausfuhr drängte, ob der Handel die Herrschaft erhielt über die heimische Produktion. An diesem Punkte galt es Initiative und Wagnis; hier öffnete sich der Weg des Fernhandels, auf dem Waren und Kaufleute den Namen der Stadt in alle Welt hinaus zu tragen vermochten.

Aber nicht nur dies. Der Handel konnte weit mehr sein als nur ökonomische Leistung, als nur Mittel der Propaganda für das Gemeinwesen Basel; er konnte seinen höchsten Beruf erfüllen, indem er diesem Gemeinwesen ein Träger und Vermittler andrer Bildungsformen, neuer Kulturmächte wurde. Im Gedanken hieran, durch die Größe solcher Vorstellungen erregt betrachten wir das wunderbare Schauspiel des Ineinandergreifens von werkender und werbender Hand, der gegenseitigen Einwirkung von seßhaftem Handwerk und beweglicher Kaufmannschaft.


Die früheste urkundliche Erwähnung des Basler Transits ist vom Jahre 1223 die Verpfändung des Zolls, den der Bischof von den durch seine Stadt gehenden, aus Lombardia und Francia kommenden Warenballen Maultieren und Rossen erhob. Diese nordsüdliche Durchfuhr kreuzte die andere, welche die östlichen Lande mit Frankreich verband; dieser gilt vielleicht der uns erhaltene Brief Basels an Konstanz von 1272.

Bedeutsamer sind die noch ältern Nachrichten von einem weit hinausreichenden Fernhandel Basels selbst: die Geschichte des Basler Kaufmanns Heinrich, der Güter über Meer exportiert und dafür fremde Waren heimbringt; die Erwähnung der mercatores von Basel im Allensbacher Privileg von 1075, von Basler Rheinschiffen in der Koblenzer Zollordnung von 1209. 1216 wird ein Arnulf von Basel in Genua betroffen, der dort Spiegelglas (aus Schwarzwälder Glashütten?) importiert. Basler Leinwand geht 1248 von Marseille nach Accon. In Bar-sur-Aube, wo die großen Messen der Champagne abgehalten werden, steht eine maison de Baale für die Kaufleute unsrer Stadt.

Das sind vereinzelte Fragmente eines unbekannten, doch wie es scheint bedeutenden Ganzen. Auch die nächsten Zeiten sind noch kaum erkennbar. Aber sobald nach der Vernichtung der ältern Akten durch das Erdbeben die Bezeugung der Tätigkeit des Rates wieder einsetzt, zeigt sich uns, über einzelne Vorgänge hinaus, eine bewußte städtische Wirtschaftspolitik.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 505. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/526&oldid=- (Version vom 20.11.2016)