Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/527

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Es ist jene denkwürdige Zeit, da die Stadt sich ermannt, jeder Schwierigkeit Herr werden will. Wie der Rat früher in Städtebünden für die Handelsbeziehungen Basels und einen ungehemmten Verkehr seiner Kaufleute und Krämer gesorgt hat, so jetzt durch Erwirkung kaiserlicher Privilegien, die vielleicht alte Rechte neu verbriefen: Freiheit der Basler von aller Grundruhr auf dem Rheine und von jedem auswärtigen Gerichtszwang, Recht des Rates zum Geleiten der Fremden. Daneben steht 1373 der mächtige Erwerb der bischöflichen Zölle, der Marktrechte und der Münze; 1368 der Erwerb eines kaiserlichen Transitzolles; 1377 Verdoppelung dieses Zollsatzes, wohl als Versuch eines Stapelzwanges und mit der Absicht der Begründung einer heimischen Schürlitzindustrie; 1378 die Eröffnung eines neuen großen Kaufhauses, womit die Begründung des seitdem geltenden Fremdenrechtes zusammenhängt; 1364 wird im Grautuchhandel das Freihandelsprinzip eingeführt. Eine einheitliche Gesinnung und Kraft waltet in allen diesen Handlungen, macht diese Wirtschaftspolitik der damaligen äußern Stadtpolitik ebenbürtig. Auch an die Tilgung der öffentlichen Schuld und die ihr folgende rationelle Finanz- und Schuldenwirtschaft erinnern wir.

Wer aber waren die Träger dieser Gedanken und Pläne?

Wir dürfen vor Allen an die Vertreter der Handelszünfte im Rate denken: Johann und Claus Berner, Johann Stamler, Konrad Hüller, Jacob Zibol u. A. Der Letztere war auch einer der rührigen und vielangesprochenen Kapitalisten jener Zeit, und hierin ihm noch überlegen Johann von Walpach, Großkreditor Österreichs, den wir auch — und dies ist das hier Bemerkenswerte — 1360 zwischen Herzog Rudolf und den Mailänder Kaufleuten über Benützung der Bötzbergstraße unterhandeln sehen. Als Kaufmann ist er freilich nicht nachzuweisen; im Rate saß er nicht; aber er konnte vermöge seiner Persönlichkeit dennoch auf die offizielle Behandlung der Verkehrs- und Handelsfragen wirken, wie er ja vielleicht auch Einfluß hatte auf die politischen Beziehungen der Stadt zu Österreich. Ähnliches gilt von Konrad Sinz, der gleichfalls nicht Ratsherr war, aber in seiner großen Herberge alle Welt sah und hörte, sowohl Fürsten als namentlich die hier durchziehenden italiänischen Kaufleute. Welchen Einfluß er besaß, zeigt seine Tätigkeit im Streite des Burchard Münch mit Venedig 1355 und 1358 und sein Wirken für Wiedereröffnung der Straße über den Col de Bussang 1356.

Im Kreise dieser Männer, vermuten wir, lebte der kaufmännische Geist, der die Basler Handelszustände damals belebte.

Aber nirgends so stark wie beim Betrachten dieser Dinge haben wir die Überzeugung, daß das Maß der uns möglichen Erkenntnis in gar keinem

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 506. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/527&oldid=2955238 (Version vom 20.11.2016)