Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/542

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Sie sind eine typische Erscheinung der Zeit, von hoher Bedeutung für die Wirtschaftsgeschichte, und nicht nur für diese. Im Einzelnen zeigt sich natürlich eine große Mannigfaltigkeit der Personen, neben alter Kultur unverhohlenes Strebertum, neben herkömmlicher ererbter Stellung das rasche Aufsteigen durch Kraft und Kapazität. Aber ihnen Allen gemeinsam ist die wichtige politische Tätigkeit, der Dienst am Gemeinwesen, der Einige sogar zu dessen Führern macht.

Im Geschäftlichen finden mir auch hier zunächst das Gewohnte, nur mit stärkern Mitteln. Auch diese Kaufherren betreiben neben dem Großhandel beinahe Alle zugleich den Kleinverkauf. Sie besuchen die Märkte und Messen, verkehren mit den deutschen flandrischen italiänischen Städten wie alle Übrigen.

Bei den Irmi erscheint das italiänische Geschäft als ausgebildete Spezialität einer Familie, zeitweise verbunden mit wichtiger politischer Tätigkeit. Hans Irmi ist Geschäftsfreund des Hauses Medici; 1464 wird er vom Mailänder Herzog Francesco Sforza zum Familiaren ernannt; er erhält einen Freipaß, „da er in die verschiedenen Teile der Welt zu reisen pflege“. Noch deutlicher wird sein Verhältnis zur mailändischen Regierung unter Galeazzo Maria; er ist dessen Agent und Diener, und wie weit seine Begabung und Bedeutung über das Kaufmännische hinaus gehen, zeigt sich in den Jahren des Kampfes mit Burgund; er schreibt dem Herzog seine Depeschen, manchmal allwöchentlich; er geht etwa auch als Gesandter Basels nach Mailand; da im November 1473 Basel Geld braucht, will Irmi für die Stadt ein Anleihen bis auf Zwanzigtausend Dukaten beim Herzog aufnehmen und verweist diesen zur Deckung auf seine Waren und Guthaben im Mailändischen. Von da an bis in die 1520er Jahre, durch drei Generationen hindurch, dauern die Beziehungen und die immer wieder erneuten Gnaden der Herzoge. Was ihnen zugrunde liegt, ist der persönliche Wert der Irmi, der Dienst den sie leisten. Aber sie kommen dabei auch auf ihre eigene Rechnung und nützen diese Privilegien für die Geschäfte. Vor Allem treiben sie Handel mit dem neuesten Produkt der Lombardei, dem Reis; zu Zeiten gehen ihre Transporte in der Grütze von hundertzwanzig Saumlasten über den Gotthard.

Die Irmi handeln auch in Stahl, in Kupfer, in Korn, in Tuch. Ähnlich die Rieher, die als Färber und Tuchleute begonnen haben, das Wirtsgewerbe treiben, daneben Spezereien und Pfennwerte verkaufen. Ihre Außerordentlich starke Mehrzünftigkeit hilft ihnen dazu, z. B. auch Eisenwaren im Detail feilzubieten. Einer von ihnen erwirbt auch das Recht eines Wechslers. Sie

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 521. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/542&oldid=- (Version vom 20.11.2016)