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den Claus Rieher ebenfalls im Textilwesen Versuche machen, als Verleger eine Exportindustrie großen Stils heranzuziehen.

Diesem Allem gegenüber regte sich das Handwerk nicht nur in Protesten und Verboten. Vielmehr steigerte es jetzt auch seinerseits die Ansprüche. Es begnügte sich nicht mehr mit dem Detailmonopol. Es suchte auch im Engrosabsatz die kaufmännische Zwischenhand bei Seite zu stoßen, womit es natürlich weniger die Interessen der großen Kaufherren und Gesellschaften verletzte, als der zahlreichen kleinen Händler. Unverkennbar wurde ein neuer kaufmännischer Geist auch im Handwerke lebendig, und wir irren kaum, wenn wir hierin eine Wirkung der Basler Messen sehen. Die Handwerker wurden an den Meßtagen zu Kaufleuten und suchten dies dann auch in der meßfreien Zeit zu bleiben. Häufiger als bisher besuchten sie die fremden Märkte und Messen mit ihren Produkten oder mit einem aufgekauften Angebot von Waren aller Art. Aber sie verkauften dort nicht nur; sie kauften auch, wie sie hier von fremden Importeuren kauften. Die Weber z. B. begannen teure Wollstoffe einzuhandeln und im Ausschnitt zu vertreiben, sie wurden Tuchhändler. In ganz gleicher Weise sehen wir auch in andern Zünften die alte Ordnung übertreten, daß Keiner fremdes Werk kaufen und hier feil haben solle. Meister Hans Hüglin läßt Degenklingen in Freiburg schmieden und verkauft sie hier, der Schwertfeger Johann Hurling bezieht Klingen aus Augsburg, der Glaser Ludwig Han bietet Trinkgläser feil, usw. Vor Allem der Eisenwarenhandel zeigt uns diese Konflikte zwischen Handwerk und Krämerei. Die Krämer machten ihr ausschließliches Recht geltend, mit Allem zu handeln, was hier nicht produziert werde, und bestritten den Schmiedezünftigen das Feilbieten andrer als selbstgefertigter Ware. Nach heftigem Zanke kam 1466 ein Vertrag zustande, der den Krämern gewisse Eisenwaren vorbehielt, den Verkauf aller übrigen aber nur Denjenigen unter ihnen gestattete, die auch die Schmiedezunft besäßen. In der Tat finden wir nun zahlreiche Krämer und Kaufleute die Schmiedezünftigkeit erwerben; die Zunft hatte ihren Willen durchgesetzt. Aber die Gegenpartei der Krämer wollte trotzdem ihr altes Recht nicht preisgeben, und noch Jahrzehnte lang dauerte dieser Streit, unter wiederholten Klagen des Handwerks darüber, in wie weitem Umfange die Krämer noch immer den Eisenwarenhandel trieben.

Auch andre Handwerksgebiete wurden von dieser kommerziellen Entwicklung ergriffen; daß z. B. Jacob Sarbach seinen Steinmetzhammer liegen ließ und das Ankaufen und Umbauen von Häusern betrieb, zeigt uns gleichfalls einen zum Gewerbsmann gewordenen Handwerker.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 529. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/550&oldid=- (Version vom 28.11.2016)