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Es ist hier nicht zu schildern, wie die burgundische Verwaltung mit ihrer ausgebildeten Technik in diese oberrheinischen Zustände eindrang. Das Gebiet war ausgedehnt, aber durch kleinere Gebiete anderer Herren, der Städte Basel und Mülhausen, der Bischöfe von Basel und Straßburg, des Herrn von Rappoltstein usw. unterbrochen; der Bestand der Rechtsame war aber auch an sich selbst ungleichmäßig zersplittert; die Verpfändungen bewirkten, daß in vielen Fällen der Adlige Vasall seines Schuldners, Pfandgläubiger seines Lehnsherrn war. Wie demnach die Verhältnisse im Einzelnen gestaltet waren und auf welche Weise Herzog Karl sich ihrer bemächtigte, das zeigen mit lebendigster Deutlichkeit die Rapporte der von ihm im Sommer 1469, im September 1471, im Januar 1473 an den Oberrhein abgesandten Kommissäre.

Herzog Karl hatte sofort ein Regierungskollegium für die Pfandlande eingesetzt, dessen Mitglieder zumeist aus demselben oberrheinischen Adel genommen waren, der den Herzog Sigmund zur Verpfändung getrieben hatte: Herman Waldner, Peter Reich, Hans von Mörsberg, Bernhard von Bollwiler usw.

Diese eingeborenen Herren, dann aber die in einer ganz anderen Schule erzogenen Beamten, die von Burgund herübergeschickt wurden, wie Guillaume de la Baulme, Jean Carondelet, Jean Poinsot, Mangin Contault u. A., waren die Vertreter des neuen Herrn für Basel. Überraschend häufig sehen wir sie hier ankehren und mit dem Rate konferieren, den Ehrenwein der Stadt empfangen. Und die Wirkung ist unverkennbar. Man fühlte in Basel, daß man mit etwas Neuem, ungemütlich Großem zu tun hatte; dem entsprach eine überaus vorsichtige und beflissene Höflichkeit.

Noch mehr Eindruck als diese Räte aber machte der neue Elsässer Landvogt, Peter von Hagenbach, der am 20. September 1469 ernannt worden war. Die Art dieses Mannes erhellt ohne weiteres aus der einen Tatsache, daß wenige Jahre des Waltens in unserer Gegend genügt haben, um sein Andenken zu einem unauslöschlichen zu machen. Mit zu lautem Lob der guten Wirkungen seines Regiments, die wohl weniger sein persönliches Verdienst als das Ergebnis burgundischer Methode waren, würde man so sehr in die Irre gehen wie mit einer Beschönigung seiner Zuchtlosigkeit und Rohheit. Man wird Beides unterlassen können und doch die merkwürdige Kraft dieser männlichen Erscheinung anerkennen, die ihn weit heraushebt aus der flachen Gewöhnlichkeit seiner Landsleute.

Hagenbach war geborner Sundgauer; schon 1445 stand er unter den Feinden Basels. Bald darauf, infolge einer an Marquard von Baldegg

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/76&oldid=- (Version vom 5.7.2016)