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Im Vertrage von St. Omer hatte Herzog Karl die Verpflichtung übernommen, dem Herzog Sigmund beim Kriege wider die Eidgenossen Hilfe zu leisten. Zu einem solchen Kriege kam es freilich nicht. Wohl aber waren die Versuche von Karls Landvogt Hagenbach, sich der Stadt Mülhausen zu bemächtigen, dazu angetan, von den Eidgenossen als eine Herausforderung zum Kampf empfunden zu werden, indessen Herzog Sigmund, die Nachteile seines Vertrages mit Karl immer deutlicher erkennend, sich allmählich zu einer Verständigung mit den Eidgenossen gedrängt sah.

Es ist von Interesse, zu beobachten, wie Basel dieser Entwicklung zunächst ganz unbeteiligt gegenüberstand. Die Mandate, durch die Kaiser Friedrich im Mai 1469 den Waldshuter Frieden für nichtig erklärte und die Eidgenossen wegen Landfriedensbruches vor Gericht lud, dann am 31. August sie in die Acht erkannte und alle Länder des Reiches gegen sie aufrief, fanden in Basel keine Beachtung; während die Eidgenossen hinwiederum für Mülhausen eintraten, verhielt sich Basel auch in dieser Sache durchaus reserviert. Es sah vorerst zu, wie die Dinge gingen. Unbeteiligt noch, aber keineswegs teilnahmslos. Einzelne Tatsachen — die Botschaft Basels an gemeine Eidgenossenschaft im Januar 1470, mit der es in der „ihm anliegenden schweren Sache“ um Rat bittet, die Anwesenheit seiner Gesandten an einer Tagsatzung in Luzern kurz nachher — sprechen deutlich; auch verrät uns das Ausgabenbuch des Rates, daß man in beständigem Verkehre war, sich beiderseits auf dem Laufenden hielt. Oft und viel in diesen Jahren kehrten die eidgenössischen Boten hier an, trafen hier mit den Vertretern der Elsässer Reichsstädte, aber auch mit dem Landvogt und seinen Räten zusammen. Basel bot sich dar als der bestgelegene Konferenzort und übernahm doch Verbindlichkeiten weder hierhin noch dorthin.

Einige Momente aus diesem Getriebe dürfen hervorgehoben werden. Im Mai 1470 war große Zusammenkunft zu Basel; zahlreiche Herren aus den eidgenössischen Orten hatten sich eingefunden, von der andern Seite Hagenbach, burgundische Räte, dann Hans Friedrich vom Haus und Andere; Bischof Johann brachte einen Vergleich zu Stande, und der Landvogt erzeigte sich den Schweizern gegenüber freundlich; aber sie vernahmen, daß er hinter ihrem Rücken üble Drohworte gegen sie brauchte, und Adrian von Bubenberg erzählte ihnen, wie er am burgundischen Hofe dabei gewesen, als Herzog Karl eine Warnung wegen Hagenbachs mit den Worten abwies, daß der Landvogt zu tun habe, was ihm dem Herzog lieb sei, nicht was den Nachbarn gefalle.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 60. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/81&oldid=- (Version vom 5.7.2016)